Physiotherapie bei Long Covid

LONG COVID

Unterstützung durch Physiotherapie

Long Covid Erkrankte leiden oft unter starken Einschränkungen im Alltag. Physiotherapie – ob einzeln oder in der Gruppe – kann helfen, die Symptome zu lindern. Sie erleichtert somit das Leben der Betroffenen.

Ein Long Covid Patient erzählt – zusammen mit seiner Physiotherapeutin – von der Therapie am Kantonsspital Olten:


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Rettungswagen fährt mit Blaulicht

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Patienten fühlen sich wie in einem Tunnel

NOTFÄLLE IN DER PSYCHIATRIE

«Patienten fühlen sich wie in einem Tunnel»

Notfälle erfordern immer rasches Handeln, auch in der Psychiatrie. Nicht zuletzt darum, weil eine psychische Krise für die Betroffenen lebensbedrohlich sein kann. Ein Gespräch mit der Leitenden Ärztin Dr. med. Michaela Harzke.

Michaela Harzke, was ist ein psychiatrischer Notfall?

Dr. med. Michaela Harzke: Ein psychiatrischer Notfall ist eine Ausnahmesituation, bei der unverzüglich eine fachliche Beurteilung und Behandlung nötig ist. Es handelt sich um eine objektive medizinische Notfallsituation. Ein konkreter Notfall kann zum Beispiel Suizidalität sein, also der Wunsch, sich das Leben zu nehmen, aber auch ein Verwirrtheitszustand, Angst oder Erregungszustände. Die betroffene Person kann sich selbst nicht mehr helfen, hat möglicherweise eine Bewusstseinsstörung oder ist verwirrt. Oft gibt es auch einen Zusammenbruch der psychosozialen Kommunikation, ein normales Gespräch ist dann nicht mehr möglich.

Notfälle, welche die körperliche Gesundheit betreffen, kündigen sich meistens an. Ist das bei psychiatrischen Notfällen ebenfalls so?

Nein. Psychiatrische Notfälle treten meist unvorhersehbar und sehr plötzlich auf – sowohl bei Menschen mit bestehender psychischer Erkrankung wie auch bei Gesunden. Auch Krisen können eine psychiatrische Notfallbehandlung notwendig machen. Eine Krise ist eine schwere subjektive Notlage. Eine Situation, die für den Betroffenen nicht mehr bewältigbar ist – auch wenn es für Aussenstehende vielleicht anders aussehen mag. Stress und Druck sind sehr subjektive Empfindungen. Dies kann zum Beispiel durch unterschiedliche Lebens- oder Belastungssituationen hervorgerufen werden wie etwa durch den Tod eines Angehörigen, aber genauso auch durch die Geburt eines Kindes oder eine Belastungssituation bei der Arbeit.

Jemand möchte sich das Leben nehmen, wie gehen Sie da vor?

Die meisten Patienten fühlen sich in solchen Situationen wie in einem Tunnel, bei dem der einzige Weg aus dem Tunnel hinaus der Suizid ist. Wir müssen deshalb ergründen, wie realistisch die Suizidgefahr ist, erfragen die Vorgeschichte oder Ereignisse im Umfeld des Patienten. Sehr wichtig ist, dass wir eine therapeutische Beziehung zur betroffenen Person herstellen können. Eine akute Suizidalität schwächt sich in der Regel nach drei Tagen ab. Die meisten dieser Patienten erhalten danach eine stationäre Therapie. Immer wieder kommt es auch zu einer fürsorgerischen Unterbringung, die oder der Betroffene wird also auch gegen ihren Willen behandelt.

Weshalb?

In der Notfallpsychiatrie sind Patientinnen und Patienten schwer krank. Diese Patienten können nicht mehr für sich selbst einstehen. Das betrifft in der Notfallpsychiatrie rund 70 Prozent aller Eintritte. Wenn wir sehen, dass sich jemand selbst oder andere an Leib und Leben gefährden könnte, so sind wir in der Pflicht, eine fürsorgerische Unterbringung anzuordnen. Eine fürsorgerische Unterbringung wird laufend überprüft und sofort aufgehoben, wenn wir den Eindruck haben, dass dies nicht mehr nötig ist. Fast ausnahmslos alle Patienten, die eine Erinnerung daran haben, wie schlecht es ihnen vor der Behandlung gegangen ist, sind rückblickend dankbar und froh, dass wir so gehandelt haben.

Nehmen psychiatrische Notfälle zu?

Obwohl die Häufigkeit von psychischen Erkrankungen gemessen am Bevölkerungsanteil in den letzten Jahren etwa gleich geblieben ist, gibt es Hinweise darauf, dass die psychiatrischen Notfälle zugenommen haben. Die Tendenz gab es bereits vor Corona. Während der akuten Coronaphasen sind die Aufnahmen insgesamt aber sogar zurückgegangen. Das Thema Einsamkeit spielt bei vielen psychischen Erkrankungen eine sehr grosse Rolle.

Wie wäre es, wenn es den Psychiatrischen Notfall nicht gäbe?

Dann würden wahrscheinlich viele Menschen ihr Leben verlieren, verunglücken, schwer krank werden oder auch andere verletzen.

Krisen und psychiatrische Notfälle

Psychiatrische Notfälle können sich verschiedenartig äussern, beispielsweise durch Panikattacken, Nervenzusammenbrüche oder akute Belastungsreaktionen. Bei solchen Krisen ist eine rasche Unterstützung durch Fachpersonen und unmittelbares Handeln sehr wichtig, um eine Gefahr abzuwenden. Bei solchen Notfällen treten meistens eine Suizidgefahr oder aggressives Verhalten gegenüber Dritten auf.

Notfallnummern Psychiatrie Kanton Solothurn

  • Notfall- und Krisenambulanz Solothurn,
    Telefon 032 627 11 11 (rund um die Uhr erreichbar) oder Notfallnummer 144
  • Notfall- und Krisenambulanz Olten,
    Telefon 062 311 52 10 (werktags 8 bis 17 Uhr.
    Ausserhalb dieser Zeiten via Notfall und- Krisenambulanz Solothurn) oder Notfallnummer 144

Weitere Informationen zu den Notfall- und Krisenambulanzen der Psychiatrischen Dienste


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Themenwoche Gesundheit auf Radio 32

News

Themenwoche Gesundheit «Notfall»

Niemand von uns wünscht sich eine Notfallsituation und dennoch sind wir froh, wenn das Spital uns 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr eine umfassende medizinische Behandlung sicherstellt. Genau aus diesem Grund spielen Notfallstationen eine zentrale Rolle im Schweizer Gesundheitswesen.

Damit eine Notfallstation 24 Stunden am Tag funktioniert, ist ein erheblicher organisatorischer und personeller Aufwand nötig. Tag für Tag engagieren sich mit Leidenschaft arbeitende Behandlungsteams für unsere Solothurner Bevölkerung. Die Teams bestehen dabei aus den unterschiedlichsten Disziplinen: Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen, Labor- und Röntgenpersonal oder auch das Operationsteam, um eine Notoperation durchführen zu können.

Mehr zum Thema «Notfall» erfahren Sie nicht nur hier auf dem Blog – sondern auch im Radio während der Themenwoche Gesundheit auf Radio 32. Hören Sie hinein!


Retter jeden Tag

DER RETTUNGSDIENST DER SOLOTHURNER SPITÄLER

Retter jeden Tag

Rückt ein Ambulanzfahrzeug des Rettungsdienstes der Solothurner Spitäler aus, so handelt es sich in den meisten Fällen glücklicherweise nicht um einen lebensbedrohlichen Notfall. Aber: Jedes Rettungsteam weiss, dass die Situation rasch ändern kann. Ein Besuch im Stützpunkt Oensingen.

Der Alarm ist ein eher dezentes «Tüüt», aber konstant und in jedem Raum des Stützpunkts Oensingen gut hörbar. Die Einsatzmeldung wird in kurzen Stichworten von der Alarmzentrale in Solothurn übermittelt: «Kind, 4,5 Jahre, P1-Päd-L Notfall, Sondersignal. Meldebild: Gegen eine Stange gesprungen, keine Bewusstlosigkeit, blutet im Gesicht.» Einsatzort: Holderbank. Die Rettungssanitäter Ricardo Burgener und Lea Ambühl ziehen ihre Schuhe an und gehen in raschen Schritten zum Einsatzfahrzeug. Ricardo Burgener gibt die Koordinaten auf dem GPS ein, Lea Ambühl fährt mit Blaulicht, im Fachjargon Sondersignal, los. Feierabendverkehr, Stau Richtung Balsthal. Die Autofahrer bilden eine Rettungsgasse. Ricardo Burgener berechnet unterwegs bereits die Medikation. Innert zwölf Minuten ist die Equipe am beschriebenen Einsatzort.

«Bei einer Alarmierung ist wichtig, dass wir die relevanten Details über die betroffene Person, aber auch den exakten Ort und Hinweise, wo es Stau oder Baustellen hat, haben», sagt Dr. med. Oliver Reisten, Chefarzt des Rettungsdienstes der Solothurner Spitäler AG soH. Oliver Reisten hat heute Notarztdienst, er wird bei schweren Fällen mit aufgeboten. Nicht in jedem Fall ist aber der Einsatz eines Arztes nötig. Rettungssanitäterinnen oder Rettungssanitäter HF sind in der Lage, Patientinnen und Patienten medizinisch beurteilen und versorgen zu können. Dank der Positionierung an den drei Standorten Solothurn, Oensingen und Olten ist es möglich, in lebensbedrohlichen Situationen in mehr als 90 Prozent aller Einsätze innerhalb von 15 Minuten vor Ort zu sein.

Anruf bei 144 – diese Angaben sind wichtig

  • Wo genau ist der Notfallort? Strasse, Hausnummer, Stockwerk oder exakte Beschreibung der Umgebung
  • Was genau ist passiert?
  • Wann ist es passiert?
  • Beschreibung der Patientin, des Patienten: Alter (oder geschätztes Alter), Atmung, Allgemeinzustand.
  • Weitere Angaben: Ist der Patient zum Beispiel eingeklemmt, Gefahren, andere Hinweise.
  • Rückrufnummer angeben.

In dringenden Fällen wird die Disponentin oder der Disponent in der Alarmzentrale übrigens noch während des Gesprächs die Ambulanz losschicken.

Das Mädchen weint heftig, das Gesicht voller Blut. Die Mutter erklärt, dass es mit dem Velo in eine Strassenlaterne geprallt sei. Lea Ambühl und Ricardo Burgener nehmen das Mädchen auf die Bahre, beruhigen es, arbeiten routiniert, präzis, konzentriert. Die Wunde – eine Platzwunde auf dem Nasenrücken – wird gereinigt, es werden Puls und Blutsauerstoff gemessen, neurologische Reflexe geprüft, der Körper nach Frakturen abgetastet. Ricardo Burgener gibt dem Mädchen einen Rettungsteddybär. Das beruhigt – und lenkt vor allem ab.

Rund 11 000 Einsätze jährlich leistet der Rettungsdienst der Solothurner Spitäler, davon sind etwa 80 Prozent Primäreinsätze. «Nicht immer bedeutet ein Primäreinsatz aber, dass man mit Sondersignal losfahren muss», sagt Beat Walser, Betrieblicher Leiter des Rettungsdienstes. Es wird nach den drei Stufen P1 bis P3 unterschieden. P1 bedeutet sofortiger Einsatz mit Sondersignal (Blaulicht und Horn) bei einem Notfall mit bestehender oder vermuteter Beeinträchtigung der Vitalfunktionen. P2 ist ein Notfall ohne Beeinträchtigung der Vitalfunktionen ohne Sondersignal, Einsätze der Dringlichkeitsstufe P3 sind Einsätze auf Vorbestellung. Solche Fahrten machen rund 20 Prozent der Einsätze aus. In der Begleitung der Patientinnen und Patienten braucht es Empathie und Einfühlungsvermögen. «Wer nur auf Blaulicht aus ist, ist im Rettungsdienst am falschen Ort», so Beat Walser weiter.

Ricardo Burgener und Lea Ambühl empfehlen, das Mädchen im Kinderspital untersuchen zu lassen, da eine Hirnerschütterung nicht ausgeschlossen werden kann. Die Mutter möchte ins Kinderspital Basel. Sie nimmt neben ihrer Tochter im Rettungsfahrzeug Platz, wir fahren los. Ohne Sondersignal. Nach fünf Minuten teilt Ricardo Burgener mit, dass das Mädchen immer wieder wegdämmern würde und bittet Lea Ambühl, mit Sondersignal weiterzufahren. Man diskutiert den Einsatz eines Rettunghelikopters und berechnet, dass dieser mit Anflugzeit später ankommen würde.

Die Rettungsdienste der soH sind nicht nur für Rettungs- oder Transporteinsätze zuständig, sondern auch für den Betrieb der Notrufnummer 144 sowie für Grossereignisse. Der Rettungsdienst arbeitet eng mit den Flugrettungsorganisationen, den Rettungsdiensten in Grenchen, Aarau und Langenthal, dem Rettungsdienst Nordwestschweiz sowie den weiteren Blaulichtorganisationen Polizei und Feuerwehr zusammen.

Freitagabend und Rückreiseverkehr nach Frankreich und Basel, viele Baustellen. Lea Ambühl fährt hochkonzentriert, die Autos machen den Weg frei, Baustellenarbeiter blockieren sofort den Gegenverkehr und winken das Fahrzeug durch. Lea Ambühl winkt ihnen zu. «Auf die Strassenbauer ist immer Verlass.» Die allermeisten Autofahrerinnen und Autofahrer reagieren richtig. Einzelne nicht. «Am schlimmsten sind die, die Schlangenlinien zu fahren beginnen oder das Tempo nicht verlangsamen», meint Lea Ambühl. Ricardo Burgener meldet nach vorne, dass das Mädchen wieder gut ansprechbar sei.

Ankunft im Kinderspital Basel, wir werden im Schockraum erwartet. Es wird sich herausstellen, dass es glücklicherweise nicht mehr als eine Platzwunde an der Nase war. Das Fahrzeug wird wieder einsatzbereit gemacht. Dazu werden die Instrumente sortiert, der Druck der Sauerstoffflasche überprüft und alles Notwendige gereinigt und desinfiziert. Zurück auf der Autobahn kurzer Stau, wir
fahren an einem Unfall vorbei, es sieht nach Blechschaden aus. Lea Ambühl hält an, fragt kurz nach, ob alles in Ordnung sei – beide Unfallbeteiligten nicken. Wir fahren zurück nach Oensingen.

«Die wichtigste Eigenschaft, die ein Notarzt oder eine  Rettungssanitäterin mitbringen muss, ist Gelassenheit», meint Oliver Reisten. Gerade in hektischen Situationen, bei aufgebrachten Menschen, bei Gewalt oder Vorfällen mit Drogen sei es enorm wichtig, mit Überblick und doch fokussiert arbeiten zu können und ruhig zu bleiben. «Die allermeisten Menschen reagieren übrigens sehr positiv, nur wenige sind fordernd oder unfreundlich», ergänzt Beat Walser. Gibt es Einsätze, die einem besonders nahegehen? Ja, meinen beide. Einsätze mit Kindern oder Grossereignisse mit vielen Verletzten. Dazu gibt es auch Nachbesprechungen im Team. «Blut zu sehen ist nicht das Schlimme», ergänzt Oliver Reisten, «aber die Schicksale dahinter, die gehen einem manchmal nahe».

Kaum zurück in Oensingen geht der Alarm los. Wieder ein Unfall mit einem Kind. Ganz in der Nähe. «Meldebild: Kind in den Pool gefallen, hat erbrochen, war blau im Gesicht, unklar, wie lange es im Wasser war.» Diesmal wird der Notarzt mit aufgeboten. Oliver Reisten macht sich zusammen mit dem Assistenzarzt und dem Rettungsdienst-Team bereit und geht in raschen Schritten zum Einsatzfahrzeug.


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DIE SUPPORTDIENSTE DER NOTFALLABTEILUNGEN

Helfer im Hintergrund

Während eine Patientin oder ein Patient in der Koje liegt und wartet, wird in anderen Bereichen des Spitals jeweils mit Hochdruck am Fall gearbeitet. Ohne Supportdienste wie Radiologie, Apotheke oder Labor könnte die medizinische Notfallversorgung nicht gewährleistet werden.

Prof. Dr. med. Carlos Buitrago Tellez ist ein Mann, der zügig und überlegt spricht: «Eine Notfallstation kann ohne Radiologie ihren Leistungsauftrag nicht vollumfänglich erfüllen.» Genauso wie die Notfallzentren ist auch die Radiologie rund um die Uhr in Betrieb. Patientinnen und Patienten, bei denen zum Beispiel der Verdacht auf einen Knochenbruch oder innere Blutungen besteht, oder bei denen ein Hirnschlag oder eine Lungenentzündung vermutet wird, erhalten eine radiologische Bildgebung. Also ein Röntgen, ein Ultraschall, eine Computer- oder Magnetresonanztomografie oder eine Gefässdarstellung zum Sichtbarmachen der möglichen Ursache der Beschwerden des Patienten. Und das möglichst rasch. «In einer Notfallsituation ist neben der Diagnosestellung Zeit ein wichtiges und lebensrettendes Kriterium», so Carlos Buitrago Tellez.

Da die radiologische Bildgebung stets präziser wird, entdecken Radiologinnen und Radiologen immer häufiger auch Zufallsbefunde, die später abgeklärt werden müssen. Im Notfalldienst besteht die grosse Herausforderung darin, schnell und klar Behandlungsprioritäten festzulegen. «Dazu braucht es eine möglichst stringente Diagnose und eine klare Kommunikation.» Damit die Zusammenarbeit zwischen Radiologie und Notfall asch und reibungslos funktioniert, sind die wichtigsten Abläufe interdisziplinär klar festgelegt und die radiologischen Geräte in der Nähe der Notfallstation positioniert.

Der Notfallbetrieb wäre ohne Apotheke genauso wenig möglich wie ohne Labor oder Radiologie. Am häufigsten gebraucht werden Schmerzmittel, Medikamente mit Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System sowie Beruhigungsmittel. Es kann aber auch sein, dass ein Patient den Notfall aufsuchen muss und ein seltenes Medikament braucht. Dieses wird von der Pflege ausserhalb der Öffnungszeiten in der Apotheke selbst geholt oder, falls nicht vorhanden, bei einem Universitätsspital über einen 24-Stunden-Service bestellt. Im Regelfall sind die Stationsapotheken aber so bestückt, dass der Betrieb über Nacht oder am Wochenende ohne Nachschub möglich ist.

«Wir sind eine Dienstleistungsabteilung. Unsere Kundinnen und Kunden, in diesem Fall Mitarbeitende der Notfallzentren, sollen zufrieden sein mit unseren Leistungen», sagt. Dr. pharm. Marco Greusing, Chefapotheker der Solothurner Spitäler. Im Neubau des Bürgerspitals Solothurn rüstet in der Apotheke seit Kurzem ein Roboter die Medikamente, die Bestellung funktioniert nur noch online. Marco Greusing ist begeistert vom neuen Helfer, der präzise und mit hoher Geschwindigkeit arbeitet. «Und trotzdem bleibt die Kommunikation zwischen Notfall und Apotheke der wichtigste Faktor für eine gute Zusammenarbeit.» Deshalb ist auch regelmässig eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter der Spitalapotheke auf der Notfallstation, füllt die Schränke auf und tauscht sich aus. Nur so erfahre man, wo möglicherweise ein Prozess optimiert werden müsse.

Tschsch klack. Und wieder plumpst ein Rohrpostzylinder ins Labor, wird automatisch geöffnet, raus fallen ein Laborblatt mit Analyseaufträgen und Blutröhrchen, die es zu testen gilt. Mit routinierten Handbewegungen nimmt die Biomedizinische Analytikerin das Formular, scannt es ein, registriert die Blutröhrchen und startet umgehend deren weitere Verarbeitung. «Notfallanalytik ist vor allem hochautomatisierte maschinelle Analytik, und der Datenaustausch mit den Geräten funktioniert komplett digital», erklärt Dr. phil. II Philipp Walter, Leiter des Labors der Solothurner Spitäler.

57 Mitarbeitende sorgen dafür, dass jährlich rund 1,8 Millionen Analysen an den drei Laborstandorten in Olten, Solothurn und Dornach ausgeführt werden können. Rund 350 verschiedene Analyseverfahren sind am Institut für Labormedizin verfügbar. Manche Analysen dauern etwas länger, standardisierte Auftragsprofile aus den Notfallzentren jedoch nicht. Dort liegen die Resultate stets innerhalb einer Stunde vor. «Notfälle sind immer zeitkritisch und unsere Arbeit hilft, die richtige Diagnose zu bestimmen und weitere Behandlungsschritte festzulegen», so Philipp Walter. Deshalb arbeitet auch das Labor 24 Stunden am Tag.
Sehen tun sich Mitarbeitende des Notfalls und des Labors fast nie, dafür gibt es die Rohrpost. Alle Laborsysteme, auch die Analysegeräte, sind übrigens stets doppelt vorhanden. Sollte eine Maschine aussteigen, so kann man sofort aufs zweite Gerät umsteigen. Denn auf rasche Laborresultate kann der Notfall auf keinen Fall verzichten.


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Manuela Kissling, wie sind Sie zu Ihrer Arbeit als Disponentin und Rettungssanitäterin gekommen?

Wenn eine Ambulanz vorbeifuhr, sagte ich schon als Kind zu meiner Mutter: «Das will ich später mal werden!» Da eine andere Erstausbildung Voraussetzung ist, wurde ich zuerst Pflegefachfrau. Danach habe ich Rettungssanitäterin und anschliessend
Disponentin auf der Alarmzentrale gelernt. Es ist etwas Schönes, wenn ich es schaffe, Menschen in Not und teilweise auch in Panik
am Telefon abzuholen. Wenn ich helfen kann, einen Patienten durch Anleitung zu stabilisieren, ist viel gewonnen.

Welche Eigenschaften muss eine Disponentin mitbringen?

(lacht) Wenn es jemand gerne mag, wenn die Dinge planbar sind, wird es für diese Person bei uns schwierig sein. Ich schätze es, nie zu wissen, was ein Tag mir bringen wird. Wichtig ist es auch, gut abschalten zu können. Ich weiss oft nicht, was mit jemandem passiert, nachdem die Ambulanz eingetroffen ist, teilweise fragen wir aber bei den Rettungsteams nach. Wir tauschen uns auch im Team darüber aus, wie wir reagiert haben. Das tut gut. Es ist auch sehr wichtig, multitaskingfähig zu sein. Anrufe auf die Nummer 144 müssen immer entgegengenommen werden. Deshalb muss man manchmal mehrere Gespräche parallel führen und im Notfall immer sofort Massnahmen einleiten. Ausserdem muss man Verantwortung tragen können. Denn wenn jemand anruft, müssen wir
entscheiden, ob es ein dringender Einsatz ist oder nicht. Wenn wir die Ambulanz mit Blaulicht losschicken, ist sie in über 90 Prozent der Fälle in weniger als 15 Minuten vor Ort. Manchmal sagen Patienten: «Es ist nicht schlimm, schickt die Ambulanz nicht mit.» Das kann ein schwieriges Abwägen sein.

Was ist Ihnen in den acht Jahren auf der Alarmzentrale besonders in Erinnerung geblieben?

Besondere Fälle bleiben im Gedächtnis. Bei der Wiederbelebung von Neugeborenen kann ich mich noch genau an jedes Detail erinnern. In Erinnerung blieb mir auch ein Systemausfall. Während einer halben Stunde konnten wir nur mit der Magnettafel und dem Funkgerät arbeiten. Für solche Fälle haben wir Rückfallsysteme und sind gut vorbereitet. Aufregend bleibt es aber trotzdem.


Die Disponentin in der Alarmzentrale

Manuela Kissling

ist Disponentin und diplomierte Rettungssanitäterin. Sie arbeitet im Rettungsdienst und in der kantonalen Alarmzentrale. Dort sind
seit 2001 die Polizei, die Feuerwehr und die Sanität in einem Raum untergebracht. Der Kanton Solothurn hat mit der Schaffung dieses
Knotenpunkts schweizweit eine Vorreiterrolle eingenommen. 2020 gingen pro Tag 707 Anrufe in der Zentrale ein.


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DOLMETSCHEN IM SPITAL

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Die türkisch sprechende Patientin ist Mitte 50, spricht kaum ein Wort Deutsch, kommt mit Bauchweh auf den Notfall. Sie zeigt auf ihren Unterleib und erwähnt das Wort «Schmerz» und «lange». Die Patientin hat Gewicht verloren, ihr Allgemeinzustand ist schlecht. Die behandelnde Ärztin möchte wissen, wie lange sie schon Schmerzen hat, wo genau, ob sie erbrechen musste, wie ihr Stuhlgang sei, ob sie Medikamente zu sich nehme, ob sie Allergien habe und vieles mehr. Sie braucht Informationen, um eine Diagnose stellen zu können. Das Beispiel ist fiktiv, solche Situationen sind aber regelmässig auf Notfallstationen anzutreffen. «Um eine qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, müssen wir mit unseren Patientinnen und Patienten kommunizieren können », sagt Nadia Di Bernardo, Leiterin Fachstelle Integration bei den Solothurner Spitälern. Deshalb sei es von elementarer Wichtigkeit, dass Gesundheitsversorger, in diesem Fall das medizinische Fachpersonal, sich verständigen kann. «Können sie das nicht, laufen wir Gefahr, Patientinnen und Patienten nicht adäquat zu behandeln.»

Vier Personen sitzen an einem runden Tisch

Menschliches Dolmetschen oder elektronisch

In den Solothurner Spitälern existiert seit vielen Jahren bereits ein Dolmetschkonzept. Der schnellste Weg, im Notfall eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher zu organisieren, geht über den Telefondolmetschdienst, der 24 Stunden am Tag in 60 Sprachen zur Verfügung steht. Zudem stehen auch spitalintern auf allen Abteilungen ausgebildete fremdsprachige Mitarbeitende zur Verfügung, die direkt vor Ort dolmetschen können. «In der Praxis ist es für diese nicht immer einfach, ihren Arbeitsplatz zu verlassen, um als interne Dolmetschende zu übersetzen», so Nadia Di Bernardo. Immer mehr kommen deshalb neue Technologien wie Videodolmetschen oder der Pockettalk, der versuchsweise in den Solothurner Spitälern ausprobiert wird, zum Einsatz. Pockettalk ist ein kleines Gerät in Smartphonegrösse, welches bei Gesprächen mit einfachem Inhalt eine unkomplizierte Liveübersetzung ermöglicht.

Die am häufigsten übersetzten Fremdsprachen* im Spital
  1. Tamilisch
  2. Türkisch
  3. Tigrinya
  4. Arabisch
  5. Italienisch, Farsi**, Russisch
  6. Albanisch
  7. Spanisch
  8. Somali, Kurdisch
  9. Bulgarisch
  10. Portugiesisch, Serbisch, Bosnisch, Kroatisch, Polnisch

* Gemäss Statistik Telefondolmetschdienst AOZ Medios
** Farsi ist ein Dialekt aus Afghanistan.

Wort für Wort oder sinngemäss übersetzt?

Elektronische Übersetzungsdienste haben aber Grenzen. Immer dann, wenn es um Gefühle geht, wenn in Metaphern gesprochen wird, wenn man vielleicht aus Scham etwas nicht erwähnt, wenn Therapieanordnungen gegeben werden, Einverständniserklärungen eingeholt oder psychiatrische Behandlungen in die Wege geleitet werden müssen. Kurz: wenn die Kommunikation bereits in der Muttersprache anspruchsvoll ist und kulturelle Eigenheiten im Spiel sind. In solchen Fällen ist das sogenannte interkulturelle Dolmetschen zielführender als die reine Sprachübersetzung. «Als Spital sind wir der Chancengerechtigkeit verpflichtet», so Di Bernardo. Chancengerechtigkeit bedeutet aber auch, dass nicht nur fremdsprachige, sondern auch gehörlose, sprechbehinderte, demente oder kognitiv eingeschränkte Menschen einen Anspruch darauf haben, verstanden zu werden.

Es lohnt sich

Der Einsatz von Dolmetschdiensten begründet sich nicht nur ethisch, sondern auch wirtschaftlich: Denn eine exakte Beschreibung des Leidens kann eine teure Diagnostik durch Labor oder Röntgen im besten Fall überflüssig machen und erspart unnötige Konsultationen oder Hospitalisationen.

Die Solothurner Spitäler sind Mitglied des Schweizerischen Netzwerks Swiss Hospitals for Equity – Schweizer Spitäler für Chancengerechtigkeit. In diesem Netzwerk, dem auch die Universitätsspitäler angehören, tauschen sich Fachpersonen über
ihre Erfahrungen aus und erarbeiten gemeinsame Standards. Als Leiterin der Fachstelle Integration koordiniert Nadia Di Bernardo ausserdem im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit das Deutschschweizer Netzwerk.

Mehr Informationen

www.hospitals4equity.ch


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Arzt transportiert ein Untersuchungsgerät

Eine gewöhnliche Samstagnacht

AUF DEM NOTFALL DES KANTONSSPITALS OLTEN

Eine gewöhnliche Samstagnacht

Bluthochdruck, Lungenembolie, Alkoholvergiftung, Harnverhalt und einige isolierte Patientinnen und Patienten mit Covid.
Die Arbeit auf einer Notfallstation in der Nacht ist anspruchsvoll – nicht nur wegen alkoholisierter Patienten.

Samstagabend

Ende August 2021, Notfallstation Kantonsspital Olten. Sämtliche Betten der Intensivstation in Olten sind belegt – mehrheitlich mit Covid-Patientinnen und -Patienten. Das macht das Personal ein wenig nervös. Käme heute Nacht ein Notfall, der eine intensivmedizinische Behandlung brauchte, müsste noch in der Nacht eine Verlegung in ein anderes Spital organisiert werden. Keine einfache Sache, die Intensivstationen sind überall gut gefüllt.

22.30 Uhr

Die Nachtschicht erscheint. Drei Pflegefachfrauen mit Zusatzausbildungen in Anästhesie- oder Notfallpflege, zwei Dienstärzte, welche ihre Kollegen des Spätdienstes ablösen und Dr. med. Susanne Ernst, Leitende Ärztin der Notfallstation. Im Dienstzimmer verteilt sie die Aufgaben: «Koje 4 kann nach Hause, wer macht den Austritt? Koje 2 und Koje 3 sind zu vergeben, wer macht was?» Die beiden Dienstärzte Dr. med. Pascal Braun-Meyre und Christian Jäggi verschaffen sich auf dem elektronischen Whiteboard einen Überblick, sprechen sich ab mit Corinne Wey, Schichtleiterin Pflege, und machen die Runde bei «ihren» Patientinnen und Patienten.

23 Uhr

Acht von neun Kojen, so heissen die Zimmer der Notfallstationen, sind belegt. Zwei Patienten sind Covid-positiv, beide nach Vorschrift isoliert. Patienten in Isolation generieren einen hohen Aufwand, da bei jedem Kontakt die Schutzkleidung an- und ausgezogen werden muss. In Koje 5 liegt eine 40-jährige Patientin mit Bluthochdruck und Kopfschmerzen, nebenan ein Patient mit vermuteter Leberzirrhose und Wasser im Bauch. Dem Patienten geht es schlecht, er soll auf die Überwachungsstation verlegt werden. Vieles weist bei ihm auf eine langjährige Alkoholproblematik hin, die aber verneint wird. Das Thema ist schambehaftet.

In der Koje 8 liegt ein älterer Herr, der zu Hause stürzte und von seiner Frau ins Spital gebracht wurde. Er hat sich glücklicherweise nicht verletzt, werde aber zunehmend dement, wie seine Frau erzählt. Sie erzählt auch, dass sie die Betreuung zu Hause nicht mehr alleine bewältigen könne. Der Patient wird auf der Abteilung für Altersmedizin aufgenommen. Ein weiterer Patient erscheint mit Harnverhalt – hier wird zu später Stunde der Facharzt für Urologie aufgeboten werden müssen – eine andere Patientin kommt mit Verdacht auf Blasenentzündung ins Spital.

Alles in allem ist es ruhig. Wer auf einer Notfallstation arbeitet, muss sich jeweils rasch auf neue Situationen einstellen können. «Medizinisch gesehen brauchen wir ein enorm breites Wissen. Unsere Herausforderung liegt darin, rasch die richtige Diagnose stellen zu können», meint die Leitende Ärztin Susanne Ernst.

Patienten bleiben im Schnitt zwei bis drei Stunden auf dem Notfall. Etwa 12 bis 14 Notfälle gibt es in einer normalen Nachtschicht, manchmal sind es auch 20.

24 Uhr

Plötzlich ist wieder Bewegung in den Gängen, der Rettungsdienst bringt einen jungen Mann mit Schmerzen an der Schulter, er wird in den Schockraum verlegt und sofort untersucht. Nach einer Computertomografie (CT) ist klar: Schlüsselbeinbruch.

Im Stützpunkt, so wird das Zimmer der Pflege genannt, kommen alle Informationen zusammen. Corinne Wey, diplomierte Expertin Notfallpflege, hat die Schichtleitung im Griff, koordiniert die internen und externen Stellen, ist mal am Telefon, mal spricht sie sich mit den Ärzten ab, mal scherzt sie mit den Kolleginnen oder ordert via Rohrpost ein Medikament an, das nicht vorrätig war.

1 Uhr

Der Blutdruck bei der Patientin in Koje 5 ist endlich runter gegangen, sie kann nach Hause. Auch der Patient mit dem Gerstenkorn am Auge geht wieder.

1.19 Uhr

Das Laborgerät summt, es wird sehr ruhig. «Und? Viel zu tun?» Beat Marti vom Sicherheitsdienst schaut vorbei. «Im Moment nicht. Und du?» «Wenn es bei euch auf dem Notfall ruhig ist, ist es bei mir auch ruhig», meint Beat Marti. Man trinkt zusammen einen Kaffee, redet über Covid und anderes.

2.18 Uhr

Ein junger Mann, 24 Jahre alt, wird vom Rettungsdienst gebracht. Mischintoxikation, eine Alkoholvergiftung kombiniert mit Cannabis. Gerade nachts und an Wochenenden sind Alkohol-Patienten häufiger. «Vorallem um den Zahltag rum», fügt Pflegerin Biljana Jurisic an. Der junge Mann ist knapp  ansprechbar, ihm ist übel, er erhält über eine Infusion Flüssigkeit, man wird ihn bis zum nächsten Morgen überwachen und dann nach Hause schicken. Den Einsatz des Rettungsdienstes wird er selber bezahlen müssen. Alkoholvergiftung gilt weder als Krankheit noch als Unfall. Regula Breitenstein, die vorne im Eingangsbereich die administrative Patientenaufnahme macht, bringt Klebeetiketten mit dem Barcode vorbei.

2.25 Uhr

Eine Frau und ihr Mann erscheinen, sie hat seit zwei Wochen eine Rippenquetschung, wurde bei einem Hustenanfall kurz ohnmächtig. Dienstarzt Christian Jäggi erklärt, dass durch den heftigen Schmerz durchaus eine sogenannte Synkope ausgelöst werden könne, eine kurze Ohnmacht. Die Patientin wird nacheiner gründlichen Untersuchung nach Hause gehen können, mit wirksameren Schmerzmitteln.

2.30 Uhr

Zwei Kojen sind besetzt. Die Pflegefachpersonen trinken einen Kaffee, es bleibt Zeit für einen Austausch mit den Dienstärzten. Nachtarbeit verbindet, schweisst zusammen, die Hierarchien sind flach. Nachtarbeit belastet aber auch. «Die erste Nacht einer Woche Nachtdienst ist immer die Schlimmste», meint Dienstarzt Pascal Braun. «Am Tag schlafe ich selten sehr gut», sagt Corinne Wey. «Es bleibt ein Arbeiten gegen den eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus», sagt die Chefin Susanne Ernst. Nachtarbeit geht an der eigenen Gesundheit nicht spurlos vorbei.

3.02 Uhr

In Koje 7 erzählt ein 68-jähriger Patient von seinen Schmerzen an der Flanke. Er habe eine fröhliche Runde etwas früher verlassen müssen, ohne den Grund zu nennen, er wollte ja niemandem die Stimmung verderben. Zu Hause habe er die Schmerzen fast nicht mehr ausgehalten. Statt eines anfänglich vermuteten Nierensteins wird man bei ihm eine Lungenembolie feststellen, ein Blutgerinnsel, welches eines oder mehrere Lungengefässe verstopft. Gut, hat er den Notfall aufgesucht.

4.30 Uhr

Es ist wieder ruhig geworden.

5.10 Uhr

Plötzlich gehts rund. Ein Patient, anfangs dreissig, wird von Rettungssanitätern in den Schockraum gebracht, eine Überdosis GBL, in der Szene auch Liquid Ecstasy oder KO-Tropfen genannt. Zu Hause sei er ausgerastet, schrie rum, stiess sich häufig den Kopf an, musste von den Rettungssanitätern mit Medikamenten sediert werden. Als er morgens um 7 Uhr im Schockraum wieder aufwacht, dasselbe Spiel von vorne. Sechs Personen müssen ihn
festhalten, damit ihm ein Dormikum verabreicht werden kann. Er wird das Personal bis 8 Uhr auf Trab halten.

7 Uhr

Nebenan ein Patient mit unklaren Bauchschmerzen, einer mit ausgerenkter Schulter, eine Patientin mit hohem Fieber und eine Patientin mit Lungenkrankheit und schlechtem Allgemeinzustand. Die Tagesschicht ist eingetroffen. Der Sonntagmorgen beginnt.


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PATIENTENPORTRAIT

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Andreas Walter war 17 Jahre alt, als sich seine psychische Erkrankung zum ersten Mal zeigte. Sowohl Andreas’ Familie als auch er selbst haben sich in den seither vergangenen 14 Jahren Strategien und Werkzeuge angeeignet, um damit umzugehen.

Nadine Walter:

Als alles begann, war ich 14, und damals hat mir das einen Schrecken eingejagt. Ich hatte Angst, dass die psychische Erkrankung meines Bruders erblich ist und dass ich auch krank werden könnte. Inzwischen bin ich froh, dass ich so früh mit dieser Herausforderung konfrontiert wurde. Durch die Erfahrung, dass jemand nicht funktionieren kann, obwohl äusserlich nichts zu sehen ist, verstehe ich heute viele Menschen besser. Ich weiss, was im Leben wirklich schön ist und geniesse die Zeiten, in denen es gut geht, so wie jetzt.

Andreas Walter:

Im Moment habe ich Boden unter den Füssen. Das war nicht immer der Fall. Damals, als es plötzlich nicht mehr ging und bei mir eine Schizophrenie diagnostiziert wurde, war ich 17 Jahre alt und in der Lehre. Ich musste damals für mehr als ein halbes Jahr ins Kinderspital. Am Anfang war es sehr schwierig, die Medikamente richtig einzustellen. Als ich 18 war, wurde mir rückwirkend eine Invalidenrente zugesprochen. Wenn es mir schlecht ging, hatte ich eine ganz andere Wahrnehmung und ein verzerrtes Weltbild. Es hat einfach mit mir gemacht.

Nadine Walter:

Du warst manchmal im Inneren wie auf einem anderen Planeten. Einmal hast du uns nicht mehr erkannt. Du wusstest nicht, dass wir deine Familie sind. Damals hast du auch nichts mehr gegessen.

Andreas Walter:

Ja, ich habe damals mitbekommen, was geschah, wie man mit mir sprach, was man zu mir sagte. Ich konnte mich einfach nicht mehr ausdrücken. Die Erfahrungen halfen mir später dabei, unsere Grossmutter zu verstehen, als sie dement wurde. Meine Krankheit hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir Verständnis füreinander haben und uns immer wieder bemühen, einander zu verstehen.
Nadine Walter: Manchmal hat mich das sehr viel Geduld gekostet. Ich kann sagen, dass ich Andreas besser kenne als meine eigene Hosentasche. Ich
kann immer spüren, wie es ihm geht. Manchmal kann sich das innerhalb von Minuten ändern. An einem gemütlichen Abend mit Freunden verlässt er manchmal abrupt die Runde. Oder er sitzt zu Hause am Tisch und sagt plötzlich gar nichts mehr. Dann will er nicht reden und verschwindet. In solchen
Situationen bleibe ich dran, frage ihn, was ihn bedrückt, was los ist, manchmal eine ganze Stunde lang.

Andreas Walter:

Ein Gespräch hilft mir oft, die Dinge zu relativieren. Ein offenes Ohr ist wie ein Ventil. So kann ich die Spannung abbauen, das ist Gold wert. Manchmal ist aber auch der Rückzug für mich sehr wichtig. Angehörige wollen oft helfen und etwas tun. Aber in manchen Momenten kann man machen, was man will, es hilft nicht. Manchmal werde ich auch überschätzt. Die Leute fragen mich dann: Was fehlt Ihnen denn? Wieso brauchen Sie diese Unterstützung? Denn selbst wenn es mir ganz schlecht geht, sieht man mir das nicht an. In der Öffentlichkeit reisse ich mich sehr zusammen. Das kostet so viel Energie.

Nadine Walter:

Erst zu Hause, wenn du dich sicher fühlst, sehen wir, wie es dir wirklich geht. Wir wissen, dass du manchmal daran gedacht hast, dir
das Leben zu nehmen. Für Aussenstehende ist es schwer zu verstehen, was das bedeutet. Einmal hast du dich während einem stationären Aufenthalt
in den Raum der Stille zurückgezogen und wir konnten dich nicht mehr finden. Wir gerieten in Panik und waren völlig «näb de Schue». Wenn so etwas passiert, kann man nicht mehr klar denken.

Andreas Walter:

Aber seit meinem letzten Aufenthalt in der Notfall- und Krisenambulanz Solothurn geht es mir viel besser. Meine Bezugsperson hat viel dazu beigetragen. Sie konnte mir alles bildlich erklären, dass es mir so klar wie ein Gletschersee wurde, was ich zu tun habe. Ich übe zum Beispiel, die ersten Anzeichen besser zu spüren und dann auch Stopp zu sagen.

Nadine Walter:

Andreas ist so ein liebenswürdiger und gutmütiger Mensch. Man schliesst ihn sofort ins Herz. Und es ist so schön, so einen Menschen als Bruder zu haben. Er würde nie jemandem etwas tun, wurde auch in schlechten Zeiten nie aggressiv. Aber es gibt auch Menschen, die das ausnutzen.

Andreas Walter:

Es hilft mir extrem, dass ich so ein tolles Umfeld habe. Wenn verschiedene Leute alle dasselbe sagen, weiss ich, aha, da muss ich aufpassen. Auf dem Bauernhof, wo ich seit fünf Jahren bei einer Gastfamilie wohne, erhalte ich viel Unterstützung. Auch die anderen Bewohner helfen mir, Dinge besser zu verstehen. Seit zwei Jahren arbeite ich zu hundert Prozent in der Gastronomie in einem geschützten Arbeitsverhältnis. Die Tatsache, dass ich nur wenige Absenzen habe, zeigt mir, wie gut es mir geht. Ich bin auf einem guten Weg.


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