Zwei Mitarbeitende im Labor schauen sich eine getestete Blutproben an.

Zu besuch im Labor

Blut ist ein wichtiger Informationsträger

Im Spitallabor in Solothurn werden täglich Hunderte Proben analysiert, um Ärztinnen und Ärzte bei der Diagnose zu unterstützen.

Eine Malariainfektion, ein Herzinfarkt, eine Blasenentzündung, das Epstein-Barr-Virus und viele andere Krankheiten – sie alle können im Labor des Bürgerspitals Solothurn erkannt werden. Im Kernlabor herrscht 24 Stunden pro Tag Betrieb, auch am Wochenende und an den Feiertagen. Cornelia Denzler, dipl. biomedizinische Analytikerin HF, und Hau Bui führen uns an diesem Vormittag durch das Labor. Es ist laut, die drei Module der Chemie-Strasse für die chemische Untersuchung der Blutproben surren. «Von jedem Analysengerät haben wir im Labor zwei. Falls eines aussteigt, gibt es ein Backup», erklärt Hau Bui. Er ist Leitender Biomedizinischer Analytiker im Bürgerspital Solothurn. «Wenn einmal beide gleichzeitig aussteigen würden, wäre das eine Katastrophe. Deshalb müssen alle Wartungen, Kalibrationen und Kontrollen korrekt durchgeführt werden, um einen Gerätedefekt frühzeitig zu erkennen und entsprechende Massnahmen ergreifen zu können, damit das nicht passiert.» Eine Katastrophe wäre es deshalb, weil die Analysen im Labor für die Ärztinnen und Ärzte entscheidend sind, um eine Diagnose stellen zu können. Im Labor werden vor allem Blut-, aber auch Urin oder Gelenkflüssigkeit untersucht. Pro Tag sind es mehrere Hundert Proben, am Wochenende etwas weniger.

Die Suche nach dem entscheidenden Wert im Blut

Die Proben gelangen hauptsächlich per Rohrpost ins Labor. Blutproben, die notfallmässig untersucht werden müssen, kommen in einem roten Beutel. «Dann wissen wir, dass es eilt», sagt Cornelia Denzler. «Bei den Notfällen müssen wir die Resultate innerhalb einer Stunde liefern, damit die Ärzte schnell wissen, woran eine Person leidet. Wir sind uns hier gewohnt, unter Zeitdruck zu arbeiten.» Trotz Stress hat im Labor aber die Genauigkeit einen hohen Stellenwert. Sämtliche Testresultate, die von der Norm abweichen, werden im Labor auf ihre Plausibilität hin überprüft, bevor sie validiert werden. Extremwerte werden zusätzlich der zuständigen Person telefonisch mitgeteilt.

Am Bildschirm der Rohrpost sieht man, wie viele Blutproben jeweils unterwegs ins Labor sind. Derzeit sind es vier Proben. Zwei aus der Abteilung für Onkologie, zwei aus der Tagesklinik. Die Proben kommen in bunten Röhrchen und sind mit einem Barcode versehen. Jede Farbe steht für eine andere Untersuchung des Blutes. Die violetten Proben werden hämatologisch untersucht, die grünen chemisch. Im Barcode sind die Angaben dazu enthalten, was genau untersucht werden soll. Im Blut sind viele Informationen vorhanden. Nur wenn man gezielt sucht, findet man diejenigen, die man für eine Diagnose braucht. «Es ist fast wie eine Detektivarbeit», sagt Cornelia Denzler mit einem Augenzwinkern. «Jeder Tag ist anders, man weiss nie, was einen erwartet.»

Geschick und gutes Auge ist gefragt

Das Labor ist in verschiedene Fachbereiche aufgeteilt. Es gibt den Bereich klinische Chemie, wo unter anderem die Nieren-, Leber- oder Blutzuckerwerte erfasst werden. Die Blutproben werden für sieben Tage aufbewahrt, damit die Ärztinnen und Ärzte bei Bedarf weitere Untersuchungen verordnen können. Dank der Barcodes, die von den Analysegeräten gelesen werden, passiert hier alles automatisch.

In der Hämatologie braucht es dagegen Geschick und ein gutes Auge. Hier werden die roten und weissen Blutkörperchen sowie die Blutplättchen untersucht. Besteht der Verdacht, dass etwas nicht in Ordnung ist, zählt Cornelia Denzler die weissen Blutzellen manuell aus. Dafür macht sie einen Blutausstrich und schaut sich die angefärbten Zellen mit dem Mikroskop an. Sind im Abstrich viele weisse Blutkörperchen zu sehen, deutet das z.B. auf eine Infektion im Körper hin. «Je nach Verteilung der Blutkörperchen können wir auf eine Krankheit schliessen. Zum Beispiel eine Leukämie, aber auch eine Blutvergiftung oder eine Malariainfektion. Bei Letzterer wären Parasiten im Ausstrich sichtbar.» Erst kürzlich hat sie entdeckt, dass eine Patientin am Epstein-Barr-Virus leidet, das Pfeiffersches Drüsenfieber auslösen kann. «Das war eine junge Frau, die kam über den Notfall ins Spital. Es wurde eine normale Blutentnahme verordnet, und im Ausstrich haben wir dann aber gesehen, dass die typischen Zellen für diese Krankheit sichtbar sind», erzählt sie. «Dann habe ich den Arzt angerufen und gefragt, was für eine Diagnose vorliege. Die Ärzte waren sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher, also habe ich gefragt, ob es vielleicht das Epstein-Barr-Virus sein könnte.» Eine Analyse der Leberwerte und weitere serologische Untersuchungen haben dann ihren Verdacht bestätigt, so Cornelia Denzler: «Die Werte waren stark erhöht.»

Konzentration und Abwechslung

Nicht nur im Blut, auch im Urin lässt sich vieles erkennen. Neben Zucker, Proteinen oder einem bakteriellen Infekt wird auch sichtbar, welche Medikamente oder Drogen eine Person eingenommen hat. Drogentests werden im Labor übrigens nicht im Auftrag der Polizei durchgeführt, sondern häufig im Auftrag der Psychiatrischen Klinik in Solothurn. «Die dortigen Patientinnen und Patienten erhalten teilweise Antidepressiva, und da ist es wichtig zu wissen, ob vorher Medikamente oder Drogen konsumiert wurden.» Drogentests im Auftrag der Polizei würden dagegen vorwiegend im rechtsmedizinischen Institut durchgeführt.

Zum Abschluss führen Hau Bui und Cornelia Denzler in den einzigen Raum des Labors, der mit einer Tür abgetrennt ist. Es ist der Raum, wo das Blut für Transfusionen gelagert wird. «Hier brauchen wir wirklich unsere Ruhe», erklärt Hau Bui. «Man muss sich sehr konzentrieren, damit nicht plötzlich ein falscher Beutel rausgegeben wird.» Der Job, sind sich die beiden einig, sei sehr abwechslungsreich, vielfältig und spannend. Auch dank Buis Einsatzplänen, in denen er darauf achtet, dass die Labormitarbeitenden möglichst jeden Tag in einem anderen Bereich im Einsatz sind. Einzig den Kontakt zu den Patienten vermissen sie ein bisschen. «Früher haben wir das Blut für die Proben teilweise selber abgenommen, mittlerweile kriegen wir die Schicksale der Patientinnen und Patienten häufig nur noch per Probe mit», bedauern beide. Eng sei dagegen der Austausch mit den Ärztinnen und Ärzten und dem Pflegepersonal. Etwa dann, wenn aus dem Labor der wertvolle Hinweis für eine mögliche Epstein-Barr-Infektion kommt.


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