Kontesa Jakupi hält ihr Baby in den Armen
RÜCKBLICK CORONA

Alleine im Spital

Besucher waren ausgeschlossen, die Behandlungsangebote auf ein Minimum reduziert. Wie war es, als Wöchnerin, allein mit dem Baby? Kontesa Jakupi, stellvertretende Stationsleiterin am Bürgerspital Solothurn, erzählt.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie davon erfahren hatten, dass Sie Ihr Mann im Spital nicht besuchen durfte?

Aufgrund dessen, dass bei mir ein Kaiserschnitt geplant war, konnte ich nicht wählen, ob ich ambulant gebären könnte. Ansonsten hätte ich dies gewählt, da ich mir gar nicht vorstellen konnte, keinen Besuch zu empfangen. Mein Mann hat Ayana ca. 1 Stunde lang bei der Geburt gesehen und musste leider danach eine Woche auf ein Wiedersehen warten…

Ich muss aber dazu sagen, dass es auch sehr erholsam war ohne Besuch. Man konnte sich nur aufs Baby und sich selber konzentrieren.

Wie gross waren die Sorgen um die Gesundheit von Ihnen und Ihrer Familie?

Die Sorgen waren nicht so gross, da ich ja den COVID19-Test vor Spitaleintritt gemacht hatte – Gott sei Dank negativ – und somit sicher war, dass ich gesund war. Da ja die Familie uns nicht besuchen durfte, waren die Sorgen von einer Ansteckung recht gering.

Wie haben Sie sich auf diese Situation vorbereitet?

Wir alle hatten uns an die vorgeschriebenen Massnahmen gehalten. Hatten eigentlich nie Besuch und die Hygiene war ganz wichtig.

Wie wichtig waren die Diskussionen mit dem Partner?

Wir haben sehr viel darüber gesprochen, ob ich den Spitalaufenthalt kürzen kann… Auch in der Familie haben viele Diskussionen und Unterhaltungen über den bevorstehenden Spitalaufenthalt stattgefunden.

Wie wichtig war das Handy als Kommunikationsgerät?

Das Handy war das Wichtigste! Hätte ich kein Smartphone und somit keinen Kontakt mit der Aussenwelt gehabt, dann wäre ich wirklich sehr betrübt gewesen.

Wie hielten es die beiden grossen Geschwister aus, so lange auf die kleine Schwester zu warten?

Da wir mehrmals täglich per Facetime telefoniert haben, konnten die älteren Geschwister Ayana dadurch kennenlernen… Auch ich konnte natürlich sehen, wie es ihnen geht und sie erzählten mir, was sie gemacht haben. Ich war aber sehr traurig, da ich sie nur per Handy sehen durfte… Auch sie haben die Mama und die Schwester sehr vermisst in dieser Zeit.

Wie gestaltete sich der Alltag daheim?

Wir haben viel organisieren müssen, da ja die Grosseltern nicht kommen durften und somit Freunde/Schwester/Schwager alle eingesetzt wurden, damit natürlich auch zu Hause die Betreuung gewährleistet wurde…

Auf was freuen Sie sich am meisten, wenn dann Corona mal vorbei sein sollte?

Ich freue mich am meisten, Ayana endlich den Grosseltern vorstellen zu dürfen. Diese weilen momentan noch im Kosovo. Wir können es kaum erwarten, dass sie uns endlich besuchen kommen können. Oder umgekehrt. – Und wieder einmal mit Freunden und Familie draussen grillieren mit mehr als 5 Personen.

 

Das Interview wurde schriftlich im Mai 2020 durchgeführt.


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