Eine alte Frau an einem Trainingsgerät
SCHMERZEN DURCH ARTHROSE

Kontrolliertes Bewegen mit Schmerzen

Arthrose ist eine häufige Erkrankung bei Personen über 60 Jahre und kann den Alltag stark einschränken. Ein neues, bestechend einfaches Therapieprogramm zeigt nun aber grosse Erfolge.

Jede vierte Person in der Schweiz leidet unter Arthrose und hat dadurch leichte bis sehr starke Schmerzen. Die Schmerzen können sowohl in ruhendem Zustand auftreten als auch bei der Bewegung. Am häufigsten sind der Bereich der Hüfte oder das Knie betroffen (siehe Kasten «Was ist Arthrose?»).

Arthrose gilt als unheil- aber behandelbar. Oft wird ein Therapiemix aus Bewegung, Medikamenten und als letztes Mittel die Operation vorgesehen, bei dem etwa ein künstliches Gelenk eingesetzt wird. Ein neues Therapieprogramm aus Dänemark mit dem Namen GLA:D – Good Life with osteoArthritis (übersetzt: Gutes Leben mit Arthrose) – zeigt nun aber, wie mit einfachen Methoden überraschende Resultate bei Arthrose-Patienten erzielt werden können. Kernpunkt des Programms ist, dass Patientinnen und Patienten nach einer eingehenden Untersuchung lernen, ihre Bewegungen und Haltung zu kontrollieren, ihre Muskelkraft zu trainieren und ganz zentral: Sie lernen auch, wie sie funktionale Übungen in ihren Alltag einbauen können.

Was ist Arthrose?

 Bei jeder Verbindung ist der Knochen mit einer dünnen Knorpelschicht überzogen. Bei einer Arthrose ist diese Schicht beschädigt oder abgebaut. Die meisten Arthrosen lassen sich auf eine Fehlstellung, übermässige Belastung oder Bewegungsmangel zurückführen, da Gelenke, die zu wenig bewegt werden, keine «Gelenkschmiere» mehr bilden. Am häufigsten betroffen von Arthrose sind die Hüft- und Knie- sowie die Fingergelenke.

Vielfältige Symptome

Die ersten Anzeichen einer Arthrose sind dumpfe oder stechende Schmerzen, sobald das Gelenk bewegt wird. Betroffene berichten oft von einem Anlaufschmerz am Morgen. Wird das Gelenk eine Weile bewegt, kann der Schmerz auch wieder verschwinden. Die Krankheit kann Betroffene so weit einschränken, dass Socken anziehen, in einen Mantel schlüpfen oder Schuhe binden zu einer grossen Herausforderung werden können.

Wer rastet, rostet

Eine weitere Erkenntnis, welche die Patienten machen sollen, ist, dass Bewegung – vor allem zu Beginn – auch Schmerzen bereiten kann und dass damit nicht noch mehr Schaden angerichtet wird. Im Gegenteil. Denn gerade Bewegungsmangel kann dazu führen, dass ein Gelenk, welches nicht belastet wird, zu wenig Gelenkflüssigkeit absondert und damit rascher zu einem Abbau des Gelenkknorpels führt.

Nach zwei bis drei Einzelsitzungen finden die Übungen meistens in der Gruppe statt. Das fördert den Wissenstransfer, aber auch das Bewusstsein, mit der Krankheit nicht alleine zu sein. Erhebungen aus Dänemark zeigen, dass bei rund einem Drittel der Patienten die Schmerzen abnehmen sowie Schmerzmittel teilweise abgesetzt oder reduziert werden können. Das erspart vielen Patienten eine Operation oder kann den Eingriff hinauszögern und sorgt so für eine höhere Lebensqualität mit mehr Bewegung. GLA:D wurde bereits am Bürgerspital Solothurn eingeführt und wird nun auf alle anderen Standorte der Solothurner Spitäler ausgeweitet.


Arthrose vorbeugen

  • Bewegen Sie sich. Je mehr sich die Gelenke bewegen, desto elastischer und belastbarer bleibt das Knorpelgewebe in den Gelenken. Ideale Sportarten sind Velofahren, Schwimmen, Wassergymnastik, Tanzen, Wandern oder ein moderates Krafttraining.
  • Abnehmen. Besonders die Kniegelenke, aber auch die Wirbelsäule und andere Gelenke leiden unter dem Druck der überflüssigen Kilos.
  • Gesunde Bewegungsabläufe in den Alltag einbauen. Arthrose-Patienten lernen, wie sie ihre Gelenke beim Heben, Sitzen oder Tragen richtig belasten.
  • Geben Sie das Rauchen auf. Es gibt Hinweise, dass der Nikotinkonsum die Versorgung des Knorpels mit Nährstoff stören kann.

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