Barbara Bösiger in ihrem Zuhause
PATIENTENPORTRAIT

«Aus dem Nichts heraus»

Als wir Barbara Bösiger darauf hinwiesen, dass nach dem Gespräch eine grosse Öffentlichkeit wissen wird, dass sie in psychiatrischer Behandlung war, meinte sie, das sei kein Problem. Sie wolle offen über ihre Krankheit reden. Und damit auch andere ermutigen, sich in solchen Situationen nicht verstecken zu müssen.

Barbara Bösiger,
Olten,
Schulsozialarbeiterin,
44 Jahre alt,
Diagnose Depression

«Plötzlich konnte ich nicht mehr schlafen. Es war im Januar vor zwei Jahren. Ich wusste nicht wieso. Ich war frisch verliebt, lebte seit einigen Wochen in einer neuen Beziehung, aber die Schlaflosigkeit war da. Aus dem Nichts heraus, ohne äusseren Anlass. Und sie belastete mich immer stärker. Die Sportferien kamen, ich dachte an Überarbeitung und daran, dass es nach einer Woche Ferien wieder bessern würde.

Tat es nicht. Ich konnte nicht mehr. Ich war kurz vor einem Zusammenbruch. Der Schlafmangel brachte mich an meine Grenzen. Nach drei Wochen meldete ich mich auf der Kriseninterventionsstation der Psychiatrischen Dienste in Olten an. Diagnose: depressive Episode. Ich blieb acht Wochen hospitalisiert – nach zwei Wochen konnte ich in die Psychosomatikabteilung wechseln. Nach kurzer Zeit schon merkte ich, wie mir die neue Tagesstruktur gut tat. Der Zufall wollte es, dass ich im selben Spitaltrakt war, in dem ich bereits als Kind immer wieder gewesen bin.

Ich erhielt Schlafmittel und Antidepressiva. Die Schlafmittel konnte ich nach kurzer Zeit absetzen, die Antidepressiva bin ich jetzt, nach zwei Jahren, am sogenannten Ausschleichen. Ich reduziere sie schrittweise bis auf Null, um keinen Rückfall zu riskieren. Während meines Aufenthaltes in der Psychiatrie lernte ich Methoden, wie ich einer weiteren Depression entgegenwirken kann. Die Arbeit mit der Akzeptanz- und Commitment-Therapie etwa oder das Training von Achtsamkeit mit der Mindfulness-Based Stress-Reduction-Methode. Das hilft mir auch heute noch sehr.

Das Pflegepersonal und die Therapeutin, die ich hatte, waren sehr zugewandt und wertschätzend. Das Wichtigste für mich aber war, dass sie an ihre Methoden glaubten, die sie lehrten, und diese auch selbst anwendeten. An die Stimmung unter den Patientinnen und Patienten musste ich mich erst gewöhnen. Gerade als Schulsozialarbeiterin bin ich es mir gewöhnt, Stimmungen aufzunehmen, zu deuten und damit zu arbeiten. Meine Fühler waren die ganze Zeit offen. Das tat mir nicht gut. Erst als ich begann, mich auf mich selbst zu fokussieren, ging es besser. Auch das war ein Lernprozess.

Während meines stationären Aufenthaltes waren mir meine Aussenkontakte enorm wichtig. Da ich mit meinen Freundinnen und Angehörigen über meine Krankheit reden konnte, war ich dadurch nicht isoliert. Angst, dass ich wieder einmal in eine depressive Episode kommen könnte, habe ich keine. Ich habe Methoden gelernt, wie ich zu mir schauen kann und weiss auch, dass es Wege gibt, wieder herauszukommen.»


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