STILLEN

Das perfekte Menü

Es gibt keine bessere Nahrung für das Baby als die Muttermilch. Sie enthält sämtliche nötigen Nährstoffe, Vitamine sowie Immun- und Abwehrstoffe. Aber: Stillen ist nicht immer einfach und muss gelernt werden.

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Inhaltsstoffe in Muttermilch

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Inhaltsstoffe in Mutterersatzmilch

Muttermilch enthält Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Mineralstoffe, Vitamine und Eisen. Sie versorgt das Kind mit Immun- und Abwehrstoffen der Mutter und schützt es so vor Krankheiten. Stillen fördert die Beziehung zwischen Mutter und Kind und bedeutet für das Kind Nähe, Wärme und Zuneigung. Kinder, die gestillt wurden, haben ausserdem ein geringeres Risiko übergewichtig zu werden. Bei der Mutter fördern die Stillhormone die Rückbildung der Gebärmutter und vermindern das Risiko von Brustkrebs. Und nicht zuletzt: Stillen heisst, die Babynahrung stets hygienisch einwandfrei in der richtigen Temperatur bei sich zu haben.

Voneinander lernen

Deshalb empfiehlt die Weltgesundheitsorganisa­tion, Säuglingen in den ersten sechs Monaten ausschliesslich Muttermilch zu geben. Doch gibt es immer wieder Gründe, weshalb Stillen erschwert sein kann: eine schmerzhafte Brustentzündung, Milchstau, Stress am Arbeitsplatz und nicht zuletzt die fehlende breite familiäre Unterstützung.

«Stillen ist ein Prozess, der gelernt und verinnerlicht werden muss, von den Müttern wie auch von den Kindern», sagt Brigitte Studer, Stillberaterin am Bürgerspital Solothurn. Deshalb besuchen Stillberaterinnen auf den Geburtenabteilungen in Solothurn und im Kantonsspital Olten alle Mütter auf der Wochenbettstation und geben Tipps sowie fachliche Informationen. «Früher hatten ­Frauen Unterstützung von erfahrenen Müttern, heute fehlen diese Vorbilder», so Brigitte Studer. Nicht zuletzt, weil Stillen in der Öffentlichkeit zuweilen auch kontrovers diskutiert wird.

Zu rascher Wiedereinstieg

«Wir stellen fest», so die Stillberaterin Brigitte Studer, «dass die Wiederaufnahme der Arbeit ein häufiger Grund ist abzustillen», also oft bereits nach vier Monaten. Für die Stillberaterin sei deshalb eine der zentralen Aufgaben, Frauen im Stillen zu stärken und stillende Frauen bei Wiederaufnahme der Arbeit zu beraten und zu begleiten. Doch bei allem Engagement für das Stillen: Was Brigitte Studer auf keinen Fall will, ist, Müttern, die nicht stillen wollen oder nicht stillen können, Druck aufzusetzen. Stillen sollte ein natürlicher Vorgang sein und kein Zwang.

Wussten Sie, dass es in der Schweiz eine Vereinbarung gibt, dass keine Werbung für Säuglingsanfangsmilch gemacht werden darf? In einem freiwilligen Kodex verpflichteten sich Hersteller von Säuglingsmilch zudem, auf jeder Packung einen Hinweis anzubringen, dass Stillen die optimale Ernährung für den Säugling sei.

Wichtig zu wissen

Jede Mutter hat Anspruch auf drei von den Krankenkassen bezahlte Stillberatungen. Bei Fragen zum Stillen oder Problemen lohnt es sich, bereits frühzeitig mit einer Stillberaterin Kontakt aufzunehmen.

Stillberatung Bürgerspital Solothurn

Telefon 032 627 44 87
stillberatung.bss@spital.so.ch

Stillberatung Kantonsspital Olten

Telefon 062 311 44 32
stillberatung.kso@spital.so.ch

Links

Freischaffende Stillberaterinnen
www.stillen.ch

Beratung von Mutter zu Mutter
www.lalecheleague.ch

Brigitte Studer, Stillberaterin

Brigitte Studer ist Stillberaterin am Bürgerspital Solothurn.

Babyfreundliche Spitäler im Kanton Solothurn

Das Kantonsspital Olten und das Bürgerspital Solothurn wurden von der UNICEF als babyfreundliches Spital zertifiziert. Die zentralen Kriterien sind, dass in diesen Spitälern Wert darauf gelegt wird, die Mutter-Kind-Beziehung zu stärken, das Stillen zu fördern und das Gesundheitspersonal laufend aus- und weiterzubilden. Ausserdem dürfen keine Gratismuster von Säuglingsanfangsmilch abgegeben werden. Die Einhaltung der Standards wird regelmässig überprüft.

In Entwicklungsländern sterben jedes Jahr 1,5 Millionen Kinder zwischen einem Monat und fünf Jahren an Mangelernährung und ihren Folgen. In diesen Regionen kann Stillen über Leben und Tod eines Kindes entscheiden.


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