Multiple Sklerose

Unterbruch im Nervensysstem

Sie wird auch als Krankheit mit den tausend Gesichtern bezeichnet, weil sie sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen kann. Multiple Sklerose lässt sich nicht heilen. Aber häufig kann man dank Fortschritten bei den Medikamenten die Krankheit günstig beeinflussen.

Dr. med. Robert Bühler seufzt, als er gefragt wird, wann Patientinnen und Patienten sich wegen Multipler Sklerose, abgekürzt MS, in Behandlung begeben: «Leider oft zu spät. Wie eigentlich bei vielen Krankheiten warten Patienten bei leichten Symptomen meist zu lange. Sie gehen erst dann zum Arzt, wenn sie Sehstörungen, Lähmungserscheinungen oder Blasenstörungen haben.» Bei MS sei es sehr wichtig, möglichst früh mit einer individuell angepassten Therapie zu beginnen, so der Leiter Neurologie der Solothurner Spitäler weiter. «Ich habe immer wieder Patientinnen und Patienten, deren Wissen über die Krankheit 30 Jahre alt ist. Tatsache ist aber, dass es gerade in der Medikation enorme Fortschritte gegeben hat.»

Hochkomplexe Krankheit

Multiple Sklerose ist eine chronische Entzündung des zentralen Nervensystems, also der Nerven, des Gehirns und des Rückenmarks. Sie ist nach der Epilepsie die zweithäufigste neurologische Erkrankung. In der Schweiz leben rund 10 000 Menschen mit MS, Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Bei den meisten Betroffenen zeigen sich die ersten Symptome im Alter von 20 bis 40 Jahren, immer mehr auch im Kindesalter. Die genaue Ursache von MS ist nach wie vor unbekannt, man vermutet ein Zusammenspiel von genetischer Veranlagung, Umweltfaktoren oder übertriebener Hygiene, wenn das Immunsystem zu wenig gefordert wird und nach anderen Aufgaben sucht. Die Symptome sind äusserst vielfältig und treten einzeln oder in Kombination auf:

  • Muskellähmungen
  • Sehstörungen
  • Gefühlsstörungen der Haut
  • Nervenschmerzen
  • Gleichgewichtsstörungen

Oft verläuft die Multiple Sklerose in Schüben und führt bei zwei Dritteln der Betroffenen erst nach längerer Zeit zu einer zunehmenden Einschränkung. Deshalb ist es enorm wichtig, so früh wie möglich mit einer Behandlung zu beginnen. Das Ziel der Behandlung ist, die Entzündungen der Nerven zu verringern oder die Symptome zu behandeln. Im Zentrum stehen die:

  • Schubtherapie

    MS verläuft meist in Schüben. Entzündungshemmende Medikamente helfen während eines Schubs, das Immunsystem günstig zu beeinflussen.

  • Basistherapie

    Diese muss so früh wie möglich erfolgen. Auch hier helfen Medikamente, weitere Schübe zu verhindern oder zumindest abzuschwächen.

  • Begleitmassnahmen

    Hierbei werden die Symptome, also die Auswirkungen der Krankheit, behandelt, sei es durch Medikamente oder begleitende Massnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie.


Was ist Multiple Sklerose?

1
Damit das Gehirn Signale an die Muskeln senden kann, wandern Nervenimpulse vom Gehirn den Nervenfasern entlang. Die Nervenfasern sind durch eine Schutzschicht umgeben, der Myelinhülle oder auch Markscheide. Ein Impuls vom Gehirn springt bei intakten Nervenfasern von Markscheide zu Markscheide und ist dadurch schneller, als wenn er durch die Nerven-faser selbst geleitet wird.

2
Bei Multipler Sklerose wird aber diese Markscheide irrtümlicherweise vom eigenen Immun-
system angegriffen und beschädigt (Auto-immunerkrankung). Das verlangsamt die Übertragung.

3
Kommen bei einer Multiplen Sklerose zusätzlich abbauende Vorgänge hinzu, so wird auch die Nervenfaser beschädigt und die Signalleitung zwischen Nerven- und Körperzellen (wie etwa den Muskelzellen) ist nicht mehr möglich. Deshalb kann Multiple Sklerose Störungen der Körperbewegungen oder der Körperempfindungen zur Folge haben.


Zuhören, Verstehen, Reden

«So unterschiedlich die Auswirkungen von MS sind, so unterschiedlich finden Betroffene einen Umgang damit», so der Neurologe Robert Bühler. «Für uns Ärzte ist es nicht immer ganz einfach, die Wünsche der Patienten zu akzeptieren.» Möchte jemand zum Beispiel alternativmedizinische Therapien, so mache er als behandelnder Arzt mit und begleite den Patienten. «Ausreden kann ich solche Wünsche nicht. Begleite ich den Patienten aber, so kann ich ihn weiterhin engmaschig überwachen und lasse ihn nicht alleine mit der Krankheit.» Zuhören, Verstehen, Reden seien ganz wichtige Elemente in der MS-Therapie.

Es gibt tatsächlich wenige Patienten, die ohne Medikamente auskommen und mit wenig Einschränkungen alt werden. Das seien aber weniger als drei Prozent, so Robert Bühler. «Die allermeisten MS-Patientinnen und -Patienten müssen irgendwann mit Einschränkungen in der Bewegung, in der Leistungsfähigkeit oder dem Sprechen rechnen. Die einen erst nach Jahrzehnten, andere bereits innerhalb weniger Jahre nach der Erstdiagnose.» MS ist eine Krankheit mit tausend Gesichtern – aber auch tausend unterschiedlichen Auswirkungen.


Umgang mit Multipler Sklerose

Sklerose

Suchen Sie eine innere Ausgeglichenheit und leben Sie so normal wie möglich. Stress und extreme Tätigkeiten oder Erlebnisse können Schübe auslösen.

Sklerose

Ernähren Sie sich gesund. Empfohlen wird die mediterrane Küche.

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Treiben Sie Sport. Moderat, aber regelmässig. Lieber leichtes Jogging an der Aare oder Birs als ein Marathonlauf.

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Mehr Dreck. Unser Immunsystem braucht Beschäftigung, sonst funktioniert es nicht mehr richtig. Übertriebene Hygiene schadet.

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Achten Sie vor allem auch im Winter darauf, dass Sie genügend an der Sonne sind. Das fördert die Vitamin-D-Produktion.

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Rauchen Sie nicht.


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