Manuela Kissling sitzt an ihrem Arbeitsplatz
3 FRAGEN AN DIE DISPONENTIN DER ALARMZENTRALE

«Das will ich später mal werden»

Manuela Kissling, wie sind Sie zu Ihrer Arbeit als Disponentin und Rettungssanitäterin gekommen?

Wenn eine Ambulanz vorbeifuhr, sagte ich schon als Kind zu meiner Mutter: «Das will ich später mal werden!» Da eine andere Erstausbildung Voraussetzung ist, wurde ich zuerst Pflegefachfrau. Danach habe ich Rettungssanitäterin und anschliessend
Disponentin auf der Alarmzentrale gelernt. Es ist etwas Schönes, wenn ich es schaffe, Menschen in Not und teilweise auch in Panik
am Telefon abzuholen. Wenn ich helfen kann, einen Patienten durch Anleitung zu stabilisieren, ist viel gewonnen.

Welche Eigenschaften muss eine Disponentin mitbringen?

(lacht) Wenn es jemand gerne mag, wenn die Dinge planbar sind, wird es für diese Person bei uns schwierig sein. Ich schätze es, nie zu wissen, was ein Tag mir bringen wird. Wichtig ist es auch, gut abschalten zu können. Ich weiss oft nicht, was mit jemandem passiert, nachdem die Ambulanz eingetroffen ist, teilweise fragen wir aber bei den Rettungsteams nach. Wir tauschen uns auch im Team darüber aus, wie wir reagiert haben. Das tut gut. Es ist auch sehr wichtig, multitaskingfähig zu sein. Anrufe auf die Nummer 144 müssen immer entgegengenommen werden. Deshalb muss man manchmal mehrere Gespräche parallel führen und im Notfall immer sofort Massnahmen einleiten. Ausserdem muss man Verantwortung tragen können. Denn wenn jemand anruft, müssen wir
entscheiden, ob es ein dringender Einsatz ist oder nicht. Wenn wir die Ambulanz mit Blaulicht losschicken, ist sie in über 90 Prozent der Fälle in weniger als 15 Minuten vor Ort. Manchmal sagen Patienten: «Es ist nicht schlimm, schickt die Ambulanz nicht mit.» Das kann ein schwieriges Abwägen sein.

Was ist Ihnen in den acht Jahren auf der Alarmzentrale besonders in Erinnerung geblieben?

Besondere Fälle bleiben im Gedächtnis. Bei der Wiederbelebung von Neugeborenen kann ich mich noch genau an jedes Detail erinnern. In Erinnerung blieb mir auch ein Systemausfall. Während einer halben Stunde konnten wir nur mit der Magnettafel und dem Funkgerät arbeiten. Für solche Fälle haben wir Rückfallsysteme und sind gut vorbereitet. Aufregend bleibt es aber trotzdem.


Die Disponentin in der Alarmzentrale

Manuela Kissling

ist Disponentin und diplomierte Rettungssanitäterin. Sie arbeitet im Rettungsdienst und in der kantonalen Alarmzentrale. Dort sind
seit 2001 die Polizei, die Feuerwehr und die Sanität in einem Raum untergebracht. Der Kanton Solothurn hat mit der Schaffung dieses
Knotenpunkts schweizweit eine Vorreiterrolle eingenommen. 2020 gingen pro Tag 707 Anrufe in der Zentrale ein.


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