Endometriose

Schmerzen dürfen nicht die Regel sein.

Endometriose ist eine Erkrankung, die bei betroffenen Frauen zu sehr starken Schmerzen führen kann. Diese äussern sich oft sehr unterschiedlich. Eine frühe Abklärung lohnt sich.

Der Chefarzt der Frauenklinik des Bürgerspitals Solothurn, PD Dr. med. Stefan Mohr, ist deutlich, wenn es um starke Bauchbeschwerden bei Frauen geht: «Endometriose ist eine sehr belastende Krankheit und dennoch warten viele Frauen zu lange, bis sie eine Abklärung vornehmen.» Bei einer Endometriose siedeln sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut ausserhalb des Bauchraums an, wachsen und bilden Schleimhautinseln, sogenannte Endometrioseherde. Diese werden, genau wie die Gebärmutterschleimhaut, durch Hormone beeinflusst, bauen sich auf und führen dort zu einer schmerzhaften Entzündungsreaktion.

Eine lange unerkannte Erkrankung

«Im Schnitt dauert es sieben bis zehn Jahre, bis eine Frau die Diagnose hat», so Stefan Mohr. Das ist lang. Der Grund liegt darin, dass sich die Krankheit sehr unterschiedlich äussert. «Manche haben nur während der Regel starke Bauchschmerzen, andere chronische. Bei manchen Frauen wieder- um kann Endometriose Beschwerden beim Wasserlösen, Stuhlen oder beim Geschlechtsverkehr verursachen.» In seiner Praxis erlebt Stefan Mohr auch viele Endometriosepatientinnen mit Begleiterkrankungen wie Migräne, Müdigkeitssymptomen oder auch Depressionen. Endometriose kann dazu führen, dass sich Frauen sozial zurückziehen. Zehn Prozent aller Frauen sind von der Krankheit betroffen. Auch gesellschaftlich hat die Krankheit eine Relevanz, da es wegen den starken Beschwer- den zu zahlreichen Absenzen in Schule und Beruf kommt.

Wie ein Puzzle

Die Diagnose ist nicht einfach. «Das Wichtigste ist die Anamnese, die Geschichte der Patientin. Wie lange hat sie die Beschwerden? Wie äussern sie sich? Haben die Schmerzen zugenommen? Wann treten sie auf? Das sind nur einige der Fragen, die wir stellen.» Es sei wie ein Puzzlespiel. Eine sichere Diagnose könne am Ende nur die operative Bauchspiegelung liefern. Dabei geht die Ärztin oder der Arzt über kleine Schnitte in den Bauchraum und kann so Endometrioseherde ausfindig machen. Zuerst bietet sich meist eine hormonelle Therapie an, insbesondere wenn man einer Operation kritisch gegenübersteht. «Der Versuch mit einer hormonellen Therapie hilft bei der Diagnosestellung. Werden die Beschwerden hiermit gelindert, spricht dies für das Vorliegen einer Endometriose», erklärt Stefan Mohr. Danach bleibe immer noch die Option eines operativen Eingriffs. Welche Massnahme am sinnvollsten ist, wird im engen Austausch mit der Patientin entschieden.

Die Beschwerden

Endometriose kann sehr unterschiedliche Beschwer­ den auslösen: Von konstanten Bauchschmerzen über Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder bei bestimmten Bewegungen. Eines der Hauptsymptome ist jedoch der ausserordentlich starke Schmerz während der Menstruation, oft schon ein bis drei Tage vor der Blutung. Endometriose kann durch Verwachsungen an den Eier­stöcken zur Unfruchtbarkeit führen. Je nach Lage der Endometrioseherde können auch schon bei kleinen Verwachsungen sehr starke Schmerzen auftreten.

Mehrere Therapieformen
Endometriose ist eine chronische Erkrankung. Bei bis zu 30 Prozent der Patientinnen gibt es nach einer Therapie einen Rückfall. Aber man kann mit der Krankheit umgehen. Es gibt mehrere Therapieformen, die kombiniert werden können:

Schmerzbehandlung: Patientinnen erhalten wirksame Medikamente, welche die Schmerzen eindämmen. Es gibt keine Gefahr der Abhängigkeit, solange keine opioidhaltigen Schmerzmittel verschrieben werden.

• Hormonelle Behandlung: Bei einer hormonellen Behandlung ist das Ziel, das Wachstum der Endometrioseherde zu unterdrücken. Dabei wird der Monatszyklus unterbrochen. Die Endometrioseherde werden sozusagen ausgetrocknet.

Operative Therapie: Die Operation erfolgt laparoskopisch über kleine Hautschnitte im Bauch. Dabei werden eineKamera und spezielle Instrumente eingeführt. Die Endometrioseherde werden herausgeschnitten – immer mit dem Ziel, das gesunde Gewebe so weit wie möglich zu schonen.

Ergänzende Therapien: Hilfreich können ausserdem sportliche Aktivitäten oder Therapien wie Ernährungsberatung, Physiotherapie oder Psychotherapie sein.

Endometriose und Kinderwunsch

Endometriose betrifft vor allem jüngere Frauen zwischen 15 und 45 Jahren. Rund die Hälfte aller Kinderwunschpatientinnen haben Endometriose. «Es schliesst sich aber keineswegs aus, dass nach einer Behandlung eine Frau schwanger werden kann», so Stefan Mohr. Egal, ob die Behandlung wegen des Kinderwunsches erfolgt oder nicht: «Keine Frau sollte sich einfach so mit starken Regelbeschwerden abfinden müssen, sondern frühzeitig eine Abklärung vornehmen», so der Chefarzt der Frauenklinik am Bürgerspital Solothurn. Nicht zuletzt ist es möglich, dass die Endometriose fortschreiten und zunehmende Beschwerden verursachen kann, wenn sie unbehandelt bleibt.


Gesundheitswoche auf Radio 32

Wir sind auch mit dieser Ausgabe bei der Gesundheitswoche bei Radio 32 mit dabei. PD Dr. med. Stefan Mohr, Co-Chefarzt Gynäkologie und Geburten am Bürgerspital Solothurn im Interview.


endohelp.ch – Austausch unter Betroffenen

Noch immer ist ausserhalb von Fachkreisen das Thema Endometriose wenig präsent. Viele Frauen mit Endometriose haben bereits eine lange Leidens­geschichte hinter sich. Allzu oft werden Beschwerden vom Umfeld als Bagatelle abgetan. Es ist deshalb für viele Frauen hilfreich, sich mit anderen Betroffe­nen austauschen zu können. Endo­Help ist ein Verein, welcher von betroffenen Frauen gegründet wurde.


Wir freuen uns über Ihre Kommentare zum Beitrag!


Weitere Beiträge

Junge versteckt sich hinter einen Türe.

Kinder- und Jugendpsychiatrie

Es spricht vieles dafür, manche Kinder oder Jugendliche zu Hause und nicht in einem Besprechungszimmer oder in der Tagesklinik zu behandeln. Auf Hausbesuch im Wasseramt.

Neue Medizinstrategie soH

Die Solothurner Spitäler haben eine neue Medizinstrategie. Eines der Ziele ist, das Gesundheitsnetzwerk der Solothurner Spitäler auszubauen. Was heisst das genau?

Patientenporträt Claudia Ruther

Claudia Ruther, 52, hatte Glück im Unglück, da ihr Brustkrebs keine Metastasen bildete. Heute ist sie krebsfrei und denkt sogar gerne an die Zeit im Onkologiezentrum zurück.