Spitalseelsorge

Wenn es nebst dem Schmerzmittel noch etwas anderes braucht

Anne Barth-Gasser und ihr Team von der Spitalseelsorge haben ein offenes Ohr für Patientinnen und Patienten mit den verschiedensten Arten von Schmerzen. Dabei steht nicht eine Religion oder ein Glaube im Vordergrund, sondern eben genau das: Zuhören. 

«Wo zwei Menschen sich authentisch begegnen, findet Heilung statt.» Dieses Zitat von Religionsphilosoph Martin Buber bringt die Essenz der Spitalseelsorge laut Anne Barth-Gasser auf den Punkt. Sie leitet das elfköpfige Team bei den Solothurner Spitälern. «Wir kommen häufig dann, wenn es noch etwas anderes braucht als nur ein Schmerzmedikament», erklärt sie. Die Bandbreite ist gross. «Es kann sein, dass jemand eine schlimme Diagnose erhalten hat, die einen durchrüttelt. Oder jemand kommt bei einem Routineeingriff ins Grübeln, weil er oder sie im Spital plötzlich Zeit hat zum Nachdenken.»

So divers wie die Ursachen hinter dem Bedürfnis nach einem Austausch mit der Seelsorge sind auch die Unterstützungsmöglichkeiten. Im Kern geht es laut der Bereichsleiterin um Folgendes: «Den Menschen als Ganzes wahrnehmen und zuhören.» Denn oftmals fühlen sich die Patientinnen und Patienten im Spital auf ihre Krankheit oder ihr Leiden reduziert.

Spiritualität ist nicht gleich Religion

Die Spitalseelsorge wird vom Kanton und den Landeskirchen gemeinsam finanziert. In den Gesprächen geht es oftmals aber nicht primär um Glaubensfragen oder um eine bestimmte Religion, sondern eher um Spiritualität. «Das ist ein enorm breiter Begriff.» Dazu gehören Fragen, die alle Menschen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit beschäftigen – gerade in Zeiten von Krankheit: Was gibt mir Kraft? Wer bin ich? Bin ich Teil von etwas Grösserem? «Ob jemand regelmässig in die Kirche geht, spielt da keine Rolle.»

Die Spitalseelsorge ist am Schluss nämlich einfach für alle da, die gerade Unterstützung brauchen können. «Spiritualität beinhaltet auch, dass man nicht alles im Leben im Griff hat, und auch nicht alles im Griff haben muss», berichtet Barth-Gasser. «Diese Erkenntnis kann sehr befreiend sein. Gerade in einem Kontext, in dem es um Leben und Tod geht.» So erhält das Team häufig von der Pflege die Rückmeldung, dass es Patientinnen und Patienten nach dem Besuch der Seelsorgerinnen und Seelsorger besser geht. Manchmal sagen Betroffene Barth-Gasser nach einem Gespräch auch ganz direkt: «Das hat gutgetan.»

Beim Austausch mit der Seelsorge steht dann gar nicht unbedingt im Zentrum, Lösungen zu finden. «Manchmal hilft einfach das gemeinsame Aushalten der Situation.» Die Seelsorgerinnen und Seelsorger können aber in Absprache mit dem interprofessionellen Team der jeweiligen Station auch ganz praktische Dinge anbieten, die Schmerzen erträglicher machen und den Fokus von ihnen lösen: Jemanden dabei unterstützen, wenn sich die Person nicht traut nach einem Medikament zu fragen. Einen Besuch der Kolleginnen und Kollegen vom Jassklub aufgleisen, wenn jemand Ablenkung braucht. Beratungspersonen der Krebsliga, Vertretende nicht-christlicher Glaubensrichtungen oder psychologisches Fachpersonal vermitteln, wenn Patientinnen und Patienten oder Angehörige zusätzliche Unterstützung wünschen.

«Es ist ein grosses Privileg als Spitalseelsorgerin die Menschen auch durch schwierige Zeiten zu begleiten. Dabei kommen immer wieder Dinge ans Licht, die jemandem auch dann noch Freude bereiten. Diese Perlen leuchten umso heller, wenn es rundherum dunkel ist.» 


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