Plastische Chirurgie

Pubertät bis Menopause: Wenn die Brust zur Last wird

Eine grosse Brust kann Schmerzen verursachen – in ganz unterschiedlichen Lebensphasen. Bei der Plastischen Chirurgie am Solothurner Bürgerspital werden diese Beschwerden ernst genommen. Gemeinsam mit den Patientinnen wird nach Lösungen gesucht.

Teenagerinnen in der Pubertät, junge Mütter in der Schwangerschaft und Frauen in der Menopause: Dr. med. Alice Thürlimann, Oberärztin für Plastische Chirurgie am Solothurner Bürgerspital, sieht Patientinnen in ganz unterschiedlichen Lebensphasen. Was sie vereint und zur Fachperson führt: Schmerzen wegen einer zu grossen Brust.

Manche haben Beschwerden im Schulter- und Nackenbereich, andere allgemein Rückenschmerzen. Bei manchen schneiden die BH-Träger am Schulterdach ein, wieder andere entwickeln Hautentzündungen in der Falte unter der Brust. Dazu kommt: Eine sehr grosse Brust kann beim Sport einschränken und im Alltag zu unangenehmen Sprüchen oder Blicken führen.

Keine absolute Grenze

«Der hormonelle Faktor spielt eine wichtige Rolle», erklärt Thürlimann. «Wenn der Hormonhaushalt aus der Balance gerät, hat das einen Einfluss auf die Brust.» In den genannten Lebensabschnitten kann die Brust deshalb deutlich an Grösse zunehmen.

Ab wann eine Brust «zu gross» ist, lässt sich nicht in Zentimetern oder Gramm festlegen. «Es gibt keine absolute Grösse und kein absolutes Gewicht», sagt die Oberärztin. «Auch die Körbchengrösse allein sagt wenig aus, weil sie vom Brustumfang abhängt. Entscheidend ist das Verhältnis zum restlichen Körper – und ob die Brust Beschwerden verursacht.»

Wenn Physiotherapie allein nicht reicht

«Viele Betroffene gehen wegen Rückenschmerzen zuerst in die Physiotherapie, um die Rückenmuskulatur zu stärken», berichtet die Expertin. «Das ist sinnvoll – aber es behebt das Grundproblem nicht.» Bei einer Brustverkleinerung hingegen wird überschüssiges Drüsen- und Fettgewebe entfernt und die Haut der neuen Brustgrösse angepasst. Die Patientinnen tragen danach wortwörtlich weniger Gewicht.

Der richtige Zeitpunkt – und ehrliche Aufklärung

Weil die Brust als Symbol für Weiblichkeit und Stillfähigkeit gilt, werden Betroffene oft vertröstet. Jungen Müttern heisst es etwa: «Die Brust bildet sich nach dem Abstillen schon zurück.» Und sehr jungen Frauen wird geraten: «Warten Sie ab, bis Ihre Familienplanung abgeschlossen ist.» Thürlimann sieht das anders: «Der richtige Zeitpunkt ist dann, wenn die Beschwerden da sind – das kann auch schon bei ganz jungen Frauen sein.» Nur wenn ein Kinderwunsch unmittelbar bevorsteht, empfiehlt sie meist, bis nach der Geburt zu warten. Manche Patientinnen möchten vor der Operation zudem wieder ihr Wohlfühlgewicht erreichen, etwa nach einer Schwangerschaft – auch wenn sich die Brust dadurch vielleicht kaum verkleinert. Das ist durchaus sinnvoll: «Bei einem stabilen Gewicht ist das Ergebnis der Operation am beständigsten», erklärt Thürlimann. Wann operiert wird, entscheiden Ärztin und Patientin deshalb gemeinsam.

Wie jeder Eingriff hat auch die Brustverkleinerung Risiken, die im Vorgespräch ausführlich besprochen werden. «Es bleiben Narben, die mit der Zeit meist gut verblassen», erklärt die Oberärztin. «Bei manchen Frauen verändert sich die Empfindlichkeit der Brustwarze, und gelegentlich braucht eine Wunde etwas länger, um zu heilen. Verschiedene Faktoren, etwa Rauchen oder Diabetes, können die Heilung beeinflussen. Deshalb schauen wir gemeinsam, wie wir die besten Voraussetzungen schaffen.» Auch Stillen ist nach der Operation im Regelfall möglich.

Leiden am Schönheitsideal

In unserer Gesellschaft gilt eine grosse Brust als attraktiv. «Deshalb wird das Leiden daran manchmal nicht ernst genommen – nach dem Motto: Andere wünschen sich das doch», sagt Thürlimann.

In den letzten 10 bis 20 Jahren habe sich aber viel verändert, beobachtet die Expertin: Man gehe offener mit dem Thema um, und das helfe den Betroffenen. «Wir stellen eine deutliche Zunahme an Brustverkleinerungen fest, während Brustvergrösserungen zuletzt eher rückläufig sind. Das deckt sich mit internationalen Beobachtungen.»

Ein neues Lebensgefühl

Für viele Betroffene ist der Eingriff eine grosse Entlastung. Manche spüren schon beim ersten Aufstehen nach der Operation, dass das Ziehen in Nacken und Schultern nachlässt. In den ersten Wochen ist ein gutsitzender Kompressions- oder Sport-BH wichtig. Den Alltag können die meisten Patientinnen rasch wieder aufnehmen, Sport ist nach etwa vier Wochen wieder möglich.

Und mehr noch: «Viele gehen danach aufrechter, kleiden sich anders und verstecken ihre Brust nicht mehr – weder durch ihre Haltung noch mit einem Schal», erzählt Thürlimann.


Wann zahlt die Krankenkasse?

Ob die Krankenkasse eine Brustverkleinerung bezahlt, ist nicht eindeutig geregelt und wird im Einzelfall beurteilt. «Zentral ist der Nachweis, dass die Beschwerden trotz konservativer Massnahmen wie Physiotherapie oder Schmerzmitteln nicht besser werden», erklärt Alice Thürlimann.

Auch Folgeleiden wie eine Überlastung der Wirbelsäule oder eine psychologische Behandlung wegen der grossen Brust können die Kostenübernahme stützen. Bei einer ausgeprägten, sehr grossen Brust werden die Kosten in der Regel übernommen. Eine Rolle spielt auch das Körpergewicht: «Ein deutlich erhöhtes Körpergewicht kann ein Risiko für die Operation darstellen, und das berücksichtigen auch die Krankenkassen», sagt Thürlimann. «In solchen Fällen schauen wir gemeinsam, ob eine Gewichtsabnahme vor der Operation sinnvoll ist, und begleiten die Patientinnen auf diesem Weg.»

Tipp: Vor der Operation wird bei der Krankenkasse eine Kostengutsprache beantragt. Bringen Sie zum Erstgespräch deshalb Unterlagen zu bisherigen Behandlungen mit, etwa Berichte aus der Physiotherapie.


Foto: Tom Ulrich, fotomtina


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