Porträt vom Chefarzt der Urologie.

Spermien

In die Gesundheit des Spermas investieren.

Gesünder leben für die Familienplanung. Dazu gehört vernünftig zu essen und nicht zu rauchen.

Es ist ein Trend, der weltweit zu beobachten ist: Seit dem Jahr 2000 sinkt bei Männern die durchschnittliche Spermienzahl jedes Jahr um etwa 2,5 Prozent. PD Dr. med. Marc Furrer, Chefarzt und Klinikleiter der Urologie an den Solothurner Spitälern, kennt diese Zahlen gut. Sorgen müssen sich Männer mit Familienwunsch deswegen aber nicht unbedingt machen. «Es gilt zu bedenken, dass verschiedene Faktoren für die Fruchtbarkeit des Mannes verantwortlich sind. Die Spermienzahl allein ist nicht der entscheidende Faktor», sagt Furrer. «Selbst Männer mit niedriger Spermienanzahl können beispielsweise mittels In-vitro-Fertilisation Kinder zeugen und gelten damit nicht als unfruchtbar.»

Viel entscheidender dafür, ob es mit der Schwangerschaft wie gewünscht klappt, ist die Qualität der Spermien. Und hier kann es sich für junge Männer mit unerfülltem Kinderwunsch lohnen, anhand eines Spermiogramms zu prüfen, wie fit die eigenen Spermien sind. Zumindest dann, wenn die Partnerin nach einem Jahr regelmässigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr noch nicht schwanger ist.

Unterschiedliche Risikofaktoren

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat drei Faktoren definiert, die gesundes Sperma ausmachen. Neben der Anzahl Spermien sind ihre Form und ihre Beweglichkeit wichtige Faktoren. Laut Furrer gibt es zahlreiche Faktoren, welche die Qualität von Spermien beeinflussen können. Unter anderem eine Verletzung oder eine Fehllage der Hoden, Alkohol- und Drogenkonsum, eine Störung des Hormonhaushaltes, eine Chemo- oder eine Radiotherapie. Auch ungesunde Ernährung, hohe Temperaturen durch Saunabesuche oder enge Kleidung können einen negativen Einfluss auf die Spermienqualität haben. Und nicht zuletzt können Infektionen einen Einfluss haben. Eine Hodenentzündung nach einer Infektion mit Mumps kann die Spermienproduktion einschränken, nach einer Nebenhodenentzündung kann es zu einem Verschluss der Samenkanälchen kommen.

«Wichtig ist jedoch zu konstatieren, dass es sich nicht sicher vorhersagen lässt, ob und wie sehr diese Faktoren die Fruchtbarkeit eines einzelnen Mannes einschränken», betont Furrer. «Einige Männer können trotz vieler Risikofaktoren problemlos Kinder zeugen. Oftmals sind Männer betroffen, bei denen sich mehrere Risikofaktoren aufsummieren.» Männer, welche die Gesundheit ihrer Spermien fördern möchten, können das mit gezielten Massnahmen tun. «Da es nur 2-3 Monate dauert, bis sich Spermien entwickeln und gereift sind, können sich Veränderungen in der Ernährung und dem Lebensstil sich schon innerhalb von kurzer Zeit positiv auswirken», erklärt Furrer weiter. Gleichzeitig kann der Besuch einer Kinderwunschberatung helfen, mögliche Wege zum Wunschkind aufzuzeigen.


Die Spermiengesundheit fördern: Tipps von Chefarzt Marc Furrer

Nichtraucher werden
Dass Rauchen ungesund ist, ist dir sicher nicht neu. Auch auf die Spermienqualität wirkt sich Rauchen schädlich aus. Studien zeigen, dass Rauchen die An­zahl, Beweglichkeit und Morphologie der Spermien verringert. Dies ist wahrscheinlich auf einen erhöhten oxidativen Stress zurückzuführen.

Übergewicht reduzieren
Übergewicht und Adipositas sind mit einer niedrigeren Spermienzahl verbunden. Wenn du übergewichtig bist und ein Baby bekommen möchtest, lass dich von einer Ärztin oder einem Arzt dazu beraten, wie eine gesunde Gewichtsabnahme für dich aussehen könnte.

Gesünder essen
Eine gesunde Ernährung liefert den nötigen Treibstoff für die Produktion gesunder Spermien. Eine kürzlich durchgeführte dänische Studie ergab: Männer, die viel Obst und Gemüse, ballaststoffreiche Lebensmittel und Fisch assen, aber die Aufnahme von rotem und verarbeitetem Fleisch sowie von Zucker minimierten, konnten auch gesündere Spermien vorweisen. Die Fettzufuhr schien dabei keinen Unterschied zu ma­chen.

Weniger Alkohol trinken
Studien zeigen, dass Alkoholkonsum die Spermien­gesundheit beeinträchtigen kann. Wer mässig bis viel trinkt, hat ein höheres Risiko, fehlgebildete Spermien zu produzieren. Am schädlichsten für die Spermien­produktion ist täglicher Alkoholkonsum. Bei Paaren, die bereits Fruchtbarkeitsprobleme haben, sollten die Männer darüber nachdenken, ganz auf Alkohol zu ver­zichten.

Auf Anabolika verzichten
Die Einnahme von Anabolika zum Muskelaufbau wirkt sich nicht nur negativ auf die Spermaqualität aus. Sie kann auch Erektionsprobleme und einen Verlust der Libido zur Folge haben.

Heisse Temperaturen meiden
Studien belegen: Eine heisse Umgebung kann die Qua­lität und Quantität der Spermien reduzieren. Deshalb solltest du es vermeiden, mit einem Laptop auf dem Schoss zu arbeiten. Auch Saunabesuche können die Spermienqualität beeinträchtigen. Deshalb solltest du lieber eine Weile darauf verzichten.

Enge Kleidung wegpacken
Wähle lieber Boxershorts statt enganliegende Slips. Das kann nämlich ebenfalls dazu beitragen, die Hoden kühler zu halten und die Spermienkonzentration und Anzahl zu verbessern.


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