Porträt der Stillberaterin am Bürgerspital Solothurn.

Stillberatung

Jeder Tropfen Muttermilch zählt

Die ersten sechs Monate nach der Geburt reicht Muttermilch als alleinige Nahrung für Säuglinge vollumfänglich aus. Stillberaterin Therese Röthlisberger ist von dem Sekret fasziniert.

Die ersten Monate mit einem Baby sind herausfordernd. Der Schlafrhythmus ist verändert, der Alltag mit dem neuen Familienmitglied muss neu organisiert werden. Nur über etwas müssen sich die Eltern eigentlich keine Gedanken machen: Darüber, was sie ihrem Baby zum Abendessen auftischen sollten. Die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO, die auch vom Bundesamt für Gesundheit BAG geteilt wird, ist eindeutig. Muttermilch ist die natürlichste Nahrung für das Baby. Die WHO empfiehlt, Säuglinge in den ersten sechs Monaten ausschliesslich zu stillen.

«Jeder Tropfen Muttermilch ist wertvoll», sagt Therese Röthlisberger, Stillberaterin am Bürgerspital Solothurn, überzeugt. Die Menschenmilch, so erzählt sie weiter, unterstütze das gesunde Wachstum in den ersten Monaten. Etwa des Gehirns, das besonders viel Energie brauche. «Das enthaltene menschliche Eiweiss, die Lactose und das humane Fett sind, neben vielen weiteren einzigartigen Inhaltsstoffen, genau auf die Bedürfnisse des wachsenden Gehirns, der Muskeln und der Knochen ausgerichtet, so dass diese sich optimal ausbilden können», erklärt sie. «Die Immunstoffe, Enzyme und Wachstumsfaktoren können bis heute nicht künstlich hergestellt werden.»

Weiter enthalte Muttermilch Immun- und Abwehrstoffe, welche vor Infektionen wie Mittelohrentzündung oder Magen-Darm-Grippe schützen. Und Kinder, die in den ersten Monaten gestillt wurden, leiden später weniger häufig an Diabetes Typ II als ungestillte Kinder. Besonders faszinierend ist dabei, dass sich die Zusammensetzung laufend an die Bedürfnisse des Säuglings anpasst. Beim Stillen, so erklärt Röthlisberger, gelangt Speichel in den Milchgang der Mutter. Dadurch entsteht eine Retourinformation, und der Körper der Frau reagiert auf das jeweilige Bedürfnis des Kindes. Deshalb enthält Muttermilch bei einem Infekt des Kindes mehr Abwehrstoffe, oder ist fetthaltiger, wenn ein Junge gestillt wird.

Übung bringt beim Stillen Erfolg

Für Therese Röthlisberger sind das bedeutungsvolle Argumente, um Mütter nach der Geburt beim Stillen zu unterstützen. «Stillen ist wie Tanzen. Das muss man üben, damit die Schritte sitzen», sagt sie. Sollte es mit dem Stillen nicht oder nur teilweise klappen, könne mit Säuglingsmilchpulver sichergestellt werden, dass das Baby ausreichend mit Kalorien versorgt wird. Für Säuglingspulvermilch gelten in der Schweiz strenge Gesetze. «Diese ist ein hochwertiges Lebensmittel. Es ist genau definiert, wie die Zusammensetzung sein muss, damit die darin enthaltenen Anteile an Eiweiss, Fett und Lactose möglichst nahe an die Frauenmilch kommen und ein Kind sich gut entwickeln kann.» Röthlisberger empfiehlt, Kinder in den ersten zwei Lebensjahren mit Säuglingsanfangsmilch zu versorgen, wenn Muttermilch nicht ausreicht. Das Schönste an ihrem Beruf, erzählt sie zum Abschluss, sei es, nahe an der Seite der Mütter sein zu dürfen. «Die Natur hat vorgesehen, dass wir Kinder bekommen und sie ernähren können. Das ist ein prägender, wichtiger Moment, der mich immer wieder tief berührt».


Geburtenabteilungen der Solothurner Spitäler

Am Kantonsspital Olten und am Bürgerspital Solothurn wird das gesamte Geburtsspektrum angeboten – vom Geburtsvorbereitungskurs, über Nachbetreuung bis hin zur Stillberatung. Auch können an beiden Standorten verschiedene Geburtsmodelle gewählt werden – von der reinen Hebammengeburt bis zum klassischen Arzt­Hebammenmodell.


Priska Stritt ist Stillberaterin in der Frauenklinik des Kantonsspitals Olten. Sie begleitet Mütter und ihre Neugeborenen nach der Geburt in allen Angelegenheiten rund um das Stillen. Im Interview erzählt sie, welche Möglichkeiten die Stillberatung bietet.


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