INTERVIEW

«Viele Angehörige spüren einen grossen Druck»

Linda Wälchli leitet seit 2019 den Bereich Beratung und Unterstützung der Krebsliga Solothurn. Sie bietet auch Beratungen direkt im Zentrum für Onkologie und Hämatologie des Bürgerspitals Solothurn an. Wir haben sie getroffen und ihr drei Fragen gestellt.

Linda Wälchli, was sind die grössten Herausforderungen für Angehörige von Menschen mit einer Krebserkrankung?

Was die Angehörigen am meisten herausfordert, ist von Fall zu Fall verschieden. Wichtig ist, dass sie sich Informationen und Hilfe holen, da wo sie sie brauchen. Das ist nicht selbstverständlich und auch nicht immer einfach. Viele Angehörige spüren einen grossen Druck, dass es ihnen nicht schlecht gehen darf, weil sie Kraft geben müssen. Hier hilft das offene Gespräch mit den Betroffenen.

In welchen Bereichen haben Angehörige Unterstützungsbedarf?

Vor allem bei psychosozialen, administrativen und medizinischen Themen. Aber auch die direkte körperliche Unterstützung und die Rolle als Ansprechperson können fordernd sein. Regelungen der finanziellen Zukunft können umso schwieriger sein, weil es auf grundlegende Fragen manchmal keine klare Antwort gibt. In manchen Fällen wird auch die Wohnsituation aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen
infrage gestellt.

Was empfehlen Sie, wenn jemand mit Therapieentscheidungen eines Angehörigen Mühe hat?

Es ist wichtig und auch entlastend, Vertrauen zu haben, dass Betroffene sich mit ihrer Situation auseinandergesetzt haben. Als Angehörige kann man sich informieren und sagen «Ich habe das gelesen, möchtest du das hören ?» oder «Kannst du mir erklären, wie du zu diesem Entscheid kommst?». Das schafft Verständnis. Wichtig ist, dass kein Druck ausgeübt wird. Unser wichtigster Tipp gilt auch hier: «Melden Sie sich bei uns!» Wir können beide Seiten unterstützen.


Das Angehörigencafé

Das Angehörigencafé der Krebsliga Solothurn bietet einen Ort zum Erzählen, Fragen oder Zuhören.  Hier finden Sie alle Informationen:


Weitere Beiträge

Überlastung in der Notfallmedizin

Wie könnte die Notfallmedizin der Zukunft aussehen, darüber wird im Podcast gesprochen.

Pflege: Bei uns laufen Informationen zusammen

Die Planung des Austritts fängt bei uns bereits beim Eintritt an. Natürlich ist es ein grosser Unterschied, ob es sich um eine betagte Person handelt, die mit einer Lungenentzündung notfallmässig eingeliefert wird, oder um einen geplanten orthopädischen Eingriff eines jungen Menschen.

Dr. Hamad schaut vom Balkon herab.

7 Fragen an Dr. med. Mussa Hamad

In der Psychiatrie gibt es beim Austritt oft Unsicherheiten. Wie schaffe ich es, im Alltag wieder Fuss zu fassen? Was tun, bei einer erneuten Krise? Wichtig sei darum, schon beim Eintritt das Austrittsziel festzulegen, so Dr. med. Mussa Hamad.