Minimalinvasive Chirurgie

Weniger Schmerzen – auch dank dem Roboter

Schonendes Operieren, das möglichst wenig und nur kurzweilige Schmerzen mit sich bringt, ist bei der soH längst gängige Praxis. In Olten wird dazu seit 2018 auch mit dem Roboter gearbeitet, in Solothurn seit Juni 2026. Tauchen Sie hier in die Erfahrungen dreier Experten ein.   

Kurzer Abstecher in die Vergangenheit: Ein junger Krebspatient, nennen wir ihn Marvin, musste schon zweimal operiert werden. Es wurden jeweils grosse Bauchschnitte gemacht. Marvin war nach den Eingriffen tagelang im Spital und hatte wochenlang Schmerzen.

Springen wir ins Hier und Jetzt: Marvin’s Krebs ist zurück. Er wird am Kantonsspital Olten operiert. Diesmal aber ohne Bauchschnitt: Der Chirurg führt den Eingriff trotz Voroperationen minimalinvasiv mit dem Roboter durch. Nach dem Aufwachen ist Marvin sprachlos. Er hat keine Schmerzen. Nach zwei Tagen darf er wieder nach Hause.

Das ist ein Beispiel für eine Reaktion nach einem Eingriff, bei dem mit dem Roboter gearbeitet wird. Es gibt unzählige ähnliche Beispiele. Das berichten Prof. Dr. med. Ulrich Dietz, Chefarzt Chirurgie am Kantonsspital Olten, Prof. Dr. med. Samuel Käser, Chefarzt Chirurgie am Bürgerspital Solothurn, und Prof. Dr. med. Marc Furrer, Chefarzt Urologie soH. Hier äussern sich die drei Chirurgen zu vier aktuellen Fragen rund ums Thema.

Was genau heisst schonendes Operieren? Und: Braucht es dafür immer einen Roboter?

Prof. Dr. med. Marc Furrer: Schonende Chirurgie bedeutet nicht automatisch Roboterchirurgie. Bereits seit vielen Jahren führen wir in der Urologie zahlreiche Eingriffe minimalinvasiv durch – also über kleine Hautschnitte oder sogar ganz ohne äussere Schnitte über die natürlichen Harnwege.

PD Dr. med. Samuel Käser: Schonendes Operieren heisst, dass man so präzise wie möglich arbeitet. Das haben wir auch schon vor dem Roboter gemacht, mit diversen Instrumenten und Hilfsmitteln wie etwa Kameras. Der Unterschied ist, dass der Roboter all diese Instrumente auf höchstem Niveau zusammenbringt.

Prof. Dr. med. Ulrich Dietz: Der Roboter kann zusätzlich Bewegungen vornehmen, die mit der menschlichen Hand nicht möglich sind. Und die erwähnte Kamera, die wir etwa bei einer Laparoskopie brauchen, wird beim Operationsroboter nicht von Menschenhand geführt, das Bild ist deswegen bezeichnend ruhig. Minimalinvasives Operieren wird durch den Roboter noch schonender und präziser. Operationsroboter werden zunehmend eingesetzt.

Beim schonenden Operieren gibt es also keine oder so kleine Einschnitte wie möglich – mit und ohne Roboter. Inwiefern haben Patientinnen und Patienten dadurch weniger Schmerzen?

PD Dr. med. Samuel Käser: Grundsätzlich gilt: Je präziser operiert wird, umso weniger Schmerzen haben Betroffene. Wir haben wie erwähnt bessere Sicht auf die Anatomie, können viel feiner greifen und auch in alle Richtungen sehr genau nähen.

Prof. Dr. med. Marc Furrer: Minimalinvasive Verfahren verursachen in der Regel kleinere Gewebeverletzungen als offene Operationen. Das führt häufig dazu, dass Patientinnen und Patienten nach dem Eingriff weniger Schmerzen haben, weniger Schmerzmittel benötigen und sich schneller wieder bewegen können. Viele berichten, dass sie rasch wieder aufstehen, essen und ihren Alltag schon in den ersten Tagen nach der Operation wieder relativ rasch aufnehmen können.

Prof. Dr. med. Ulrich Dietz: Es ist tatsächlich auch so, dass nach einer Operation mit dem
Roboter gewisse Laborwerte weniger ansteigen als erwartet, was wir auf die Präzision zurückführen. Da wir mit dem Operationsroboter weniger Druck im Bauchraum benötigen, haben PatientInnen auch deutlich seltener Schulterschmerzen nach der Operation. Patientinnen und Patienten fragen heute sogar explizit nach einer Operation mit dem Roboter!

Es kann aber nicht immer mit dem Roboter operiert werden. Bei welchen Eingriffen setzen Sie ihn ein?

Prof. Dr. med. Ulrich Dietz: Bei Indikationen, die den Bauchraum betreffen. Das heisst für uns in Olten vor allem bei Kolonresektionen (gutartig und bösartig), Magenresektionen, Zwerchfellhernien, Gallenblasen und Bauchwandhernien (Viszeralchirurgie), aber auch in der Urologie und der Gynäkologie. Mittlerweile arbeitet auch die Orthopädie teils mit dem Roboter, etwa für ganz genaue Eingriffe bei Knieprothesen. Seit der Einführung 2018 haben wir mit zwei Operationsrobotern über 5000 Eingriffe am Kantonsspital Olten durchgeführt. Das KSO gehört europaweit zu den führenden Spitälern auf dem Gebiet.

Prof. Dr. med. Marc Furrer: Grundsätzlich gilt: Wir setzen den Roboter dort ein, wo unsere Patientinnen und Patienten davon profitieren. Dank der langjährigen Erfahrung unseres Teams können wir heute praktisch das gesamte Spektrum der robotischen Urologie anbieten – von häufigen Standardeingriffen bis hin zu hochkomplexen uronkologischen und rekonstruktiven Operationen. Aktuell führen wir am KSO rund 300 roboterassistierte urologische Eingriffe pro Jahr durch, mit weiterhin leicht steigender Tendenz.

PD Dr. med. Samuel Käser: Am Solothurner Bürgerspital arbeiten wir seit diesem Sommer mit dem Roboter. Wir führen hier nicht ganz so komplexe Eingriffe wie etwa an einem Unispital durch. Aber wir können etwa Hernien oder Gallenblasen operieren. In den letzten Monaten fanden Schulungen im Bereich der Gynäkologie statt. Ab Herbst operieren wir zudem auch am Dickdarm mit dem Roboter. Man braucht Routine und Sicherheit für erfolgreiche Eingriffe.

Stichwort Sicherheit: Manchen Menschen bereiten rasante technologische Entwicklungen auch Sorge. Erleben Sie das auch in Bezug auf das schonende Operieren mit dem Roboter?

Prof. Dr. med. Ulrich Dietz: Bei den Patientinnen und Patienten kommt das eigentlich sehr gut an. Skepsis gab es eher bei den Chirurginnen und Chirurgen. Es ist nicht immer für alle einfach, etwas Neues zu lernen. Aber: Wir können das vor Ort an einem Simulator trainieren. Nach ca. 20 Stunden Training hat man die Maschine eigentlich im Griff.

Dr. med. Samuel Käser: Gerade bei der nächsten Generation an Chirurginnen und Chirurgen besteht grosses Interesse daran. Wichtig ist aber auch, dass wir bei Eingriffen mit Robotern den Kontakt zum Menschen nicht verlieren. Dieser steht immer im Zentrum. Und wir müssen auch betonen: Der Roboter ist ein Instrument. Er ist kein automatisch und selbstständig agierendes Gerät.

Prof. Dr. med. Marc Furrer: Genau: Die Technologie unterstützt den Menschen, ersetzt ihn aber nicht. Bei den Patientinnen und Patienten stösst die roboterassistierte Chirurgie aber vielmehr auf grosses Interesse, als dass es ihnen Sorgen bereitet . Viele informieren sich bereits vor dem Gespräch über diese Operationsmethode und stellen gezielt Fragen dazu. Wichtig ist uns dabei, realistische Erwartungen zu vermitteln. Der Roboter operiert nicht selbstständig, sämtliche Bewegungen werden jederzeit von der Operateurin oder vom Operateur gesteuert.


So operieren Chirurginnen und Chirurgen mit dem Roboter

Einen Eingriff, bei dem der Roboter verwendet wird, können Sie sich in etwa so vorstellen: Im Operationssaal liegt wie gewohnt eine Patientin oder ein Patient und wird von einem grossen Team operiert und betreut: Technische Operationsassistentinnen und -assistenten, Lagerungspfleger und -pflegerinnen, Anästhesistinnen und Anästhesisten und Chirurgen und Chirurginnen. Der operierende Chirurg oder die operierende Chirurgin steht aber nicht am Operationstisch mit Skalpell, sondern sitzt vor einer Konsole mit Display, auf dem sie die Kameraaufnahmen sieht, die der Roboter während des ganzen Eingriffs macht. Mit einem Joystick führt die Person die Bewegungen aus, die der Roboter dann ganz präzise und fein übernimmt – direkt am Patienten oder an der Patientin.


Prof. Dr. med. Ulrich Dietz, Chefarzt Chirurgie Kantonsspital Olten

PD Dr. med. Samuel A. Käser, Chefarzt Chirurgie Bürgerspital Solothurn

Prof. Dr. med. Marc Furrer, Chefarzt Urologie soH


Foto: Tom Ulrich, fotomtina


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