Schulterschmerzen
«Manche kommen verzweifelt auf den Notfall»
Das Schultergelenk ist das beweglichste im ganzen menschlichen Körper. Das macht es in ganz verschiedenen Situationen besonders anfällig für Schmerzen. Patientinnen und Patienten brauchen auf dem Weg zur Besserung auch eines: Geduld.
Die Sportlerin beim Handball, der Maler beim Streichen, die Putzkraft beim Staubwischen: Sie alle beanspruchen die Schulter im Alltag stark. Ebenso der Informatiker, der stundenlang vor dem Computer sitzt, oder die Umzugshelferin, die Kisten schleppt. Die Liste der Tätigkeiten, bei denen wir die Schulter regelmässig belasten, ist praktisch endlos. Und es gibt auch eine ordentliche Menge an Situationen, in denen wir das Gelenk falsch oder überbelasten.
Dann kommt Dr. med. Franziska Eckers, Leitende Ärztin für Schulter- und Ellbogenchirurgie am Solothurner Bürgerspital ins Spiel. «Die Schulter ist das mobilste Gelenk im Körper und zentral für viele unserer Bewegungen. Sie ist nicht nur knöchern, sondern auch durch die umgebenden Weichteile – Kapsel und Bänder, sowie Muskeln mit Sehnen – geführt. Genau genommen müssen wir vom Schultergürtel sprechen, der nicht nur aus dem Kugelgelenk zwischen Oberarmkopf und Gelenkpfanne des Schulterblatts besteht, sondern auch aus den Verbindungen zum Schlüsselbein und zum Brustkorb. Das Zusammenspiel dieser Strukturen ist komplex.»
Die hohe Mobilität der Schulter ist mit einer gewissen Instabilität verknüpft. Diese macht die Schulter anfällig. So kann die Schulter einerseits im Rahmen von Unfällen aushängen, was zu akuten Schmerzen führt. Sie muss dann wieder eingerenkt werden und es gilt herauszufinden, ob und in welchem Mass es zu Gewebeschäden gekommen ist. Andererseits kann es zur Abnutzung sowohl der knöchernen als auch der Weichteilstrukturen kommen, was ebenfalls zu Schmerzen führen kann. Häufig betroffen ist die Rotatorenmanschette – die Muskel-Sehnen-Manschette, die das Gelenk umgibt und zentriert. « Leider gilt hier: Wenn die Sehne mal ab ist, bleibt sie ab.» Weitere Erkrankungen sind die Kalkschulter, Arthrosen oder die sogenannte Frozen Shoulder, die mit einer schmerzhaften Einsteifung des Gelenks einhergeht. «Typisch für die Schulter sind starke nächtliche Schmerzen», berichtet Eckers. «Manche Patienten kommen dann verzweifelt auf den Notfall, weil sie nicht mehr oder nur noch im Sitzen schlafen können.»
Die Schulter braucht viel Zeit für Erholung
Die Orthopädie am Bürgerspital ist in Teams gegliedert, die jeweils gelenkbezogen spezialisiert sind. «Das hilft enorm dabei, die Patienten fachlich auf hohem Niveau zu behandeln. Als Schulter-Ellenbogen Team lernen wir unsere Patientinnen und Patienten immer sehr gut kennen», so die Leitende Ärztin. Das liegt daran, dass sich eine Betreuung oft über mehrere Monate oder sogar Jahre hinzieht. «Das Schultergelenk braucht viel Zeit für Erholung». Gleichzeitig müssen Eckers und ihr Team manchmal schnell reagieren. Etwa bei Unfällen, die zu Knochenbrüchen oder bestimmten Bänder- oder Sehnenrissen führen. Dann sollte rasch operiert werden, damit keine bleibenden Schäden entstehen.
Bei Beschwerden hilft aber längst nicht nur eine Operation, um mit der Zeit wieder schmerzfrei oder zumindest schmerzärmer zu werden. «Die Chirurgie ist nur ein Behandlungspfeiler», präzisiert Eckers. Mindestens genauso wichtig ist der zweite: Physiotherapie, bzw. regelmässiges selbständiges Üben. Idealerweise setzen Patienten und Patientinnen bei der Physiotherapie gelernten Übungen zuhause um. Bei vielerlei Beschwerden ist gar keine Operation nötig oder möglich, dafür aber eine Anpassung der Belastung und die Optimierung der den Schultergürtel betreffenden Bewegungsabläufe und Muskulatur – sei das bei der Sportlerin, dem Maler oder der Putzkraft.
Der Ellbogen
Dr. med. Franziska Eckers ist nicht nur Expertin für die Schulter, sondern auch für den Ellbogen. Sie kann deshalb – auch in Bezug auf Schmerzen – den direkten Vergleich zwischen diesen beiden Gelenken ziehen. «Der Ellbogen ist auch ein sehr komplexes Gelenk, aber sehr viel seltener Grund invalidisierender Schmerzen. Beschwerden sind oft subtiler. Der Ellenbogen verzeiht auch mehr.» Grundsätzlich können beim Ellbogen – wie bei der Schulter – sowohl unfallbedingt als auch durch Verschleiss oder Überlastung Verletzungen und Erkrankungen entstehen. Das Behandlungsspektrum am Bürgerspital umfasst sowohl die konservative als auch die operative Therapie des Tennisellbogens, der Ellenbogeninstabilität, der Arthrose, und die von Sehnenrissen.
Foto: Tom Ulrich, fotomtina
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