Anästhesiologie
Phantomschmerz: Fehlalarm im Nervensystem
Nicht nur unsere Körperteile können wehtun, sondern auch Gliedmassen, die gar nicht mehr vorhanden sind. Zwischen diesem Phantomschmerz und anderen Arten von Schmerzen gibt es wesentliche Unterschiede – aber nicht nur.
Wenn der Hammer auf den Daumen trifft, dann tut das weh. Das ist uns allen klar. Aber: Der Finger kann auch wehtun, wenn er gar nicht mehr da ist, also nach einer Amputation. Dann ist die Rede von Phantomschmerzen. Der grosse Unterschied zu anderen Arten von Schmerzen: Es gibt keinen externen Reiz. Normalerweise würde dieser unsere Nozizeptoren vor Ort im Körper aktivieren, die dem Rückenmark und Hirn – unserem zentralen Nervensystem – die Information «Schmerz» weiterleiten, was wir dann zu spüren bekommen. Normalerweise. «Dem Phantomschmerz geht keine externe Stimulation voraus, sondern eine zentrale Aktivierung», sagt Dr. med. Nabin Wagle, Chefarzt Anästhesiologie im Spital Dornach. Das heisst, die Information «Schmerz» kommt aufgrund von fehlerhaften Prozessen im zentralen Nervensystem zustande. Es handelt sich dann eigentlich um einen falschen Alarm von Gehirn und Rückenmark ausgehend. Dieser kann laut Wagle ausgelöst werden durch Stress, Temperaturveränderungen oder bereits durch die blossen Gedanken an das nicht mehr vorhandene Glied.
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