Knie

Nach Unfällen und Erkrankungen: Der nächste Schritt ist immer individuell

Als grösstes Gelenk unseres Bewegungsapparates kriegt das Knie so einiges an Belastung ab. Sowohl Unfälle als auch Erkrankungen können zu Schmerzen führen. Für den richtigen Umgang ist die Unterscheidung zwischen diesen beiden möglichen Ursachen zentral.

Unfall oder Erkrankung, das ist hier die Frage. Beides kann zu Knieschmerzen führen. Der Zusammenstoss auf dem Fussballplatz kann im Kreuzbandriss enden; das Älterwerden kann von Arthrose begleitet werden, wenn aufgrund von Abnutzung der Knorpelmasse zwischen Knochen am Schluss Knochen auf Knochen reibt. Beides tut weh. Beides – sowohl unfall- als auch erkrankungsbedingte Knieschmerzen – sieht Prof. Dr. med. Näder Helmy, Chefarzt Orthopädie am Bürgerspital Solothurn, bei seinen Patientinnen und Patienten. Ob es sich um einen Unfall oder eine Erkrankung handelt, ist dann für den Umgang und die Behandlung entscheidend.

So geht es etwa für jüngere Patientinnen und Patienten nach einem Unfall, bei dem das Knie anschwillt und Schmerzen länger als drei Wochen anhalten, besser schnell zum Hausarzt oder zur Hausärztin. Steht bei einer über 50-jährigen Person eine Erkrankung wie eben Arthrose im Vordergrund, ist es weniger dringend. Betroffene können laut dem Chefarzt dann gut mehrere Wochen warten.

Eine OP ist nicht der einzige Weg

Auch für eine Fachperson spielt es eine Rolle, ob hinter dem Knieschmerz eine Erkrankung oder ein Unfall steckt. Die Faustregel dabei: «Wir empfehlen eine Operation dann, wenn das zu erwartende Resultat mit einer solchen besser ist als bei einem nichtoperativen Vorgehen», erklärt Prof. Helmy. «Bei einer Erkrankung muss man nicht operieren, man kann aber.» Es gibt natürlich Ausnahmen: Bei einem Knochentumor wird klar eine Operation empfohlen. Gleichzeitig gibt es auch bei einem Kreuzbandriss Patientinnen und Patienten, die ohne Eingriff zurechtkommen. Entscheidend ist am Schluss nebst der Untersuchung und der Bildgebung auch immer, was Betroffene wollen und wie sie mit den Schmerzen umgehen können.

Ein für Laien extremes Beispiel ist wohl die Skirennfahrerin Lindsey Vonn, die mit gerissenem Kreuzband an den Olympischen Spielen antrat. Helmy überrascht das nicht: «Das Kreuzband dient zur Stabilisierung des Knies. Eine Athletin wie Vonn hat so viel Muskulatur, dass sie das Knie auch ohne Kreuzband genügend stabilisieren kann.» Das trifft auf Durchschnittsbürgerinnen und -bürger wohl nicht zu – auch wenn auch für uns gilt, dass wir besser mit Schmerzen umgehen können, wenn wir körperlich aktiv sind. Aber das Beispiel zeigt, wie individuell der Umgang mit dem Thema Knieschmerzen ist.

Neueste Techniken für mehr Lebensqualität

So kommen Patientinnen mit einer Arthrose oft mit Schmerzmitteln, Physiotherapie oder Cortisonspritzen gut durchs Leben. Für andere ist der Leidensdruck zu hoch. Dann kann eine Prothese die Lebensqualität deutlich verbessern. Im Bürgerspital werden Total- und Teilprothesen eingesetzt, wobei bei Teilprothesen die Rehabilitationszeit mit vier bis sechs Monaten halb so lange ist wie bei einer Totalprothese. Die soH setzt auf die neuesten Techniken, ausgerichtet auf die jeweiligen Patientinnen und Patienten. Dazu gehören etwa ein Computerprogramm, 3D-Drucker und spezielle Prothesendesigns. Die Prothesen werden entsprechend der natürlichen Beinachse eingesetzt, so dass eine möglichst natürliche Bewegung des Knies ermöglicht wird.

Übrigens spielt bei der Behandlung von Knieschmerzen nicht nur die Frage «Unfall oder Erkrankung?» eine Rolle, sondern auch diejenige nach dem Wohnort der Patientinnen und Patienten. Der Chefarzt sieht hier klare Unterschiede: «In Zürich werden Schmerzen und Einschränkungen der Lebensqualität nicht akzeptiert», was dann heisst, dass eine Operation eher verlangt wird. «In Solothurn ist die Bevölkerung anders unterwegs. Hier sagt man vielleicht eher noch: <Ja, jetzt ist es halt so.>»


Volksleiden Knieschmerzen

«Die demographische Entwicklung in der Schweiz macht Gelenkschmerzen der unteren Extremitäten mit zu den häufigsten Problemen im Bewegungsapparat», sagt Prof. Helmy. Nebst der Hüfte zählt dazu das Knie, das häufig Schmerzen verursacht, sei dies aufgrund von Unfällen oder Erkrankungen. Gemäss Zahlen des Bundesamts für Statistik sind in der Schweiz 10,6 Prozent der Männer von Arthrose betroffen, bei den Frauen sind es 17,8 Prozent. Laut Daten des Bundesamts für Unfallverhütung steht bei 18,4 Prozent der Sportverletzungen das Knie im Fokus, besonders häufig bei Vorfällen auf dem Fussballplatz oder der Skipiste.



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