Schmerzen sichtbar machen

Tut das weh? 

Mit Instrumenten wie PROMs und PREMs wird er jedoch greifbar. Was hinter diesen Abkürzungen steckt – und warum sie für das Qualitätsmanagement und den Klinikalltag der soH essenziell geworden sind.

Ein gebrochener Knochen ist auf dem Röntgenbild sichtbar, eine Entzündung an den Blutwerten erkennbar. Aber Schmerz? Dafür gibt es kein universelles Messgerät. «Schmerzempfinden ist etwas sehr Subjektives», weiss Tobias Schön, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Kardiologie und Verantwortlicher für die integrierte Prävention und Rehabilitation der soH. Das soziale Umfeld, die aktuelle Lebenssituation, die mentale Verfassung: All dies beeinflusst, wie wir Schmerz wahrnehmen. Genau hier setzen PROMs und PREMs an.

Patientinnen und Patienten eine Stimme geben

Hinter den Abkürzungen stehen die Begriffe Patient Reported Outcome Measures (PROMs) und Patient Reported Experience Measures (PREMs). Vereinfacht gesagt handelt es sich um wissenschaftlich fundierte Fragebögen. «Wie stark war der stärkste Schmerz in den letzten vier Wochen?» Solche und weitere Fragen beantworten Patientinnen und Patienten bei der soH bereits seit 2010.

Ziel ist es, mit diesen Instrumenten verschiedenste psychische und körperliche Parameter zu erfassen. Beim Schmerz wird beispielsweise quantifiziert, wie stark er den Alltag einschränkt: Kann die Person trotz der Beschwerden ihren Hobbys nachgehen, soziale Kontakte pflegen oder arbeiten? «So sehen wir, was der Schmerz mit einem Menschen macht», erklärt Dr. Schön. Über den Schmerz hinaus erfassen diese Instrumente auch Lebensqualität, Angst oder Depression. Die Ergebnisse fliessen heute direkt in die Behandlung ein und werden vom Qualitätsmanagement systematisch ausgewertet.

Qualitätsmanagement: Sichtbare Erfolge

Diese Auswertungen zeigen einerseits schwarz auf weiss, wie wirksam die Behandlungen im Spital sind. Sarah Hosner, Qualitätsbeauftragte der soH, nennt aktuelle Zahlen: «Nur 0,3 Prozent der Befragten geben standortübergreifend an, dass das Schmerzmanagement ungenügend war. 91 Prozent der Patientinnen und Patienten geben zudem an, dass das Personal alles daransetzt, ihre Schmerzen zu lindern.» Die Daten zeigen also direkt den Erfolg von Massnahmen, und würden aufzeigen, wenn Prozesse verbessert werden müssten.

Klinikalltag: Effiziente und wirksame Behandlungen

Gleichzeitig sind PROMs und PREMs auch eine wichtige Brücke zwischen Patientinnen und Patienten und dem medizinischen Team, sagt Dr. Schön, der den klinischen Einsatz dieser Tools in der soH in den letzten Jahren massgebend vorangebracht hat. Die Fachpersonen können die Ergebnisse oft schon vor der Sprechstunde einsehen – ähnlich wie Laborwerte. So können sie gezielt auf die relevanten Punkte eingehen. «Wir haben die Patientinnen und Patienten als Ganzes vor Augen.» Auch bei der Behandlung von Schmerzen steht bei der soH ein «Wir» hinter der Behandlung: Zugriff auf die Auswertungen hat immer das ganze multiprofessionelle Team – vom Therapeuten bis zur Psychologin. «Gemeinsam gelingt es, die Lebenssituation der Patienten und ihr Umfeld mit der Behandlung zu verbinden. So schaffen wir es, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.»

Für Dr. Schön sind diese Instrumente aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken: «Für mich sind PROMs inzwischen wie ein Ultraschall.» Gleichzeitig werden dank der Tools Patientinnen und Patienten mit in den Behandlungsprozess eingebunden. Sie sehen dank der Daten die Erfolge von Behandlungen schwarz auf weiss: sinkende Schmerzbelastung und steigendes Wohlbefinden beispielsweise. Das wiederum spornt an, die vorgeschriebene körperliche Bewegung auch wirklich umzusetzen oder Medikamente auch einzunehmen. Wie einst der Schmerz ist am Schluss der Behandlungserfolg nicht nur spürbar, sondern eben auch messbar – dank PROMs und PREMs.


Hier können Sie sich Top-Resultate ambulanter Behandlungsprogramme der soH anschauen:



Weitere Beiträge

Vom Spital bis zur Spitex

Die beste Versorgung im Spital nützt wenig, wenn die notwendige  Nachsorge nach dem Spitalaustritt schlecht oder gar nicht organisiert wurde. Fünf Sichtweisen, wie eine gute Übergabe geplant sein soll.

Leben ohne Niere

Judith Rafael Rosa, 63, musste wegen einer Erbkrankheit ihre Nieren entfernen lassen. Vertrauen zum Arzt und die Aufforderung, sich jederzeit melden zu dürfen, gaben ihr beim Austritt Sicherheit.

Dr. Zimmerli steht vor einem Bild und erklärt etwas.

Spitalaustritt bringt Änderungen mit

Es ist ein sehr verständlicher Wunsch, dass Patientinnen und Patienten nach einem Spitalaufenthalt am liebsten wieder nach Hause möchten. Leider ist das nicht immer der Fall.