Der Psychiater spielt Ping-Pong.
SPORT IN DER PSYCHIATRIE

Bewegung für die Seele

Sport hält gesund oder hilft, gesund zu werden. Nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Studien zeigen, dass Bewegung bei manchen Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen sogar einen gleich guten Effekt erzeugt wie Medikamente.

«Sport ist die beste Medizin», sagt ein Sprichwort. Deshalb sind Bewegungsprogramme bereits seit einigen Jahren ein fester Bestandteil in der Psy­chiatrie – gerade bei Patientinnen und Patienten mit Angststörungen oder Depressionen. «Wir stellen immer wieder fest, dass Patienten therapeutisch meistens sehr gut auf Bewegungsprogramme reagieren», sagt PD Dr. med. Thorsten Mikoteit, stellvertretender Chefarzt und Leitender Arzt der Psychiatrischen Dienste. Die Psychiatrischen Dienste der Solothurner Spitäler beteiligen sich an einer Nationalfondsstudie, welche die nachhaltige Wirkung von Bewegung bei psychiatrischen Patienten erforscht.

Sanfter Einstieg

Die Patienten, die oft einen nicht sehr bewegungsorientierten Lebensstil mitbringen, körperliche Begleiterkrankungen aufweisen oder aus Angst vor Schmerzen sich kaum mehr bewegen (Psychosomatik), sollen sportlich dort abgeholt werden, wo sie sind. Die Bewegungsangebote sind niederschwellig gestaltet und sollen die Freude an der Bewegung wecken. Aus Studienergebnissen weiss man sogar, dass Sport bei depressiven Patienten zu einer ähnlichen Verringerung ihrer Symptome führt wie Medikamente. Bei einer Betrachtung des Langzeiteffekts ist sogar festzustellen, dass bei Patienten, die nach einer Erstbehandlung regelmässig Sport getrieben haben, das Risiko eines depressiven Rückfalls sank.

Widerstandsfähigkeit fördern

«Wir sind darum der Ansicht, dass der Sport ein wertvolles Mittel ist, um Ressourcen zu aktivieren, welche die Patientinnen und Patienten bereits in sich haben.» Gemäss Thorsten Mikoteit kann regelmässige Bewegung noch viel mehr:

  • Bei Patienten mit einer Angststörung oder Depression wird das Selbstwertgefühl ­gefördert.
  • Die Hirnleistungsfähigkeit steigt bei regel­mäs­siger Bewegung.
  • Die Belastbarkeit bei Stress wird grösser.
  • Schlafstörungen, welche oft ein Begleiter bei ­vielen psychischen Erkrankungen sind, nehmen ab.
  • Sport senkt die eigene Schmerzempfindlichkeit – gerade bei psychosomatischen Patienten, die oft an unspezifischen Schmerzen leiden.
  • Die mentale Stärke wird gefördert.
  • Dank den Erfolgserlebnissen, die Sport bieten kann, wird die Zielerreichungsfähigkeit unterstützt.

In der Gruppe motivierter

Wichtig bleibt natürlich, dass Patientinnen und Patienten bei den Bewegungsangeboten therapeutisch gut begleitet werden. Gleich zu Beginn einen langen Waldlauf zu machen, hat eine gegenteilige Wirkung. Der eigene Körper soll wieder auf eine positive Weise entdeckt werden können. Motiva­tionsfördernd ist hierbei auch die Gruppe.

Trotz allen positiven Wirkungen: Sport- und andere Bewegungsangebote sind insgesamt nur ein Teil einer ganzheitlichen psychiatrischen Behandlung. Sport alleine schützt auch nicht per se vor einer Erkrankung. «Psychische Erkrankungen oder Verhaltensstörungen können nicht einfach wegtrainiert werden», so Thorsten Mikoteit. Aber das Training hilft, damit besser umzugehen.

Bewegungsangebote der Psychiatrischen Dienste

Unter anderem werden folgende, sogenannt körperorientierte Therapien angeboten:
Bewegungs- und Tanztherapiegruppe, Entspannungsgruppe, Sporttherapiegruppe, Nordic Walking, angeleitetes Kraft- und Fitnesstraining, Physiotherapie.

Die Therapieprogramme werden individuell angepasst. Wichtig bei den körperorientierten Therapien ist, dass die Patientinnen und Patienten eine Freude am Programm entwickeln können und dies anschliessend auch nach dem Klinikaustritt weiterführen.


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