Darmspiegelung

Wichtige Krebsprävention

Der Gedanke an eine Darmspieglung erscheint vielen Menschen unangenehm. Das müsste nicht sein, meint Gastro­enterologe Prof. Dr. med. Radu Tutuian.

Über den Darm wird wenig geredet. Dabei ist er entscheidend für unsere Gesundheit. Hier wird das Essen in seine Bestandteile zerlegt und vom Körper aufgenommen, hier befinden sich Milliarden von guten Bakterien und hier ist auch ein wichtiger Teil unseres Immunsystems. Man weiss, dass der Darm unsere Psyche stärker beeinflusst als umgekehrt. Der Magen-Darm-Trakt wird bis zu acht Meter lang und hat eine Oberfläche von 30 bis 40 Quadratmetern. Erstaunlich, was sich gefaltet in unserem Bauch befindet und über das wir nur ungern sprechen.

Kaum Symptome

Noch weniger gern wird über Erkrankungen des Darms gesprochen, wie etwa Darmkrebs. «Darmkrebs – damit sind Krebserkrankungen des Dickdarms gemeint – ist die dritthäufigste Krebserkrankung bei Männern und die zweithäufigste bei Frauen», erklärt Prof. Dr. med. Radu Tutuian, Chefarzt der Klinik Gastroenterologie und Hepatologie des Bürgerspitals Solothurn. Darmkrebs entsteht häufig aus Wucherungen der Darmschleimhaut, sogenannten Polypen. «In einem frühen Stadium verursacht Darmkrebs kaum Symptome, deshalb ist die frühe Untersuchung des Dickdarms sehr wichtig», so Radu Tutuian weiter.

Im Anfangsstadium reagieren

Bei einer Frühuntersuchung wird eine Darmspiegelung gemacht. Dabei führt die Ärztin oder der Arzt über ein sogenanntes Endoskop eine Kamera und mehrere kleine Instrumente in den Darm und kann verdächtige Polypen gleich entfernen. «Die meisten Personen haben grossen Respekt vor dieser Untersuchung», so der Chefarzt, «aber der Eingriff selbst ist interventionell und schmerzlos.» Etwas mühsamer sei höchstens das Prozedere am Vorabend, wenn man mit einem Abführmittel den Darm entleeren müsse. Eine zweite Früherkennungsmethode von Darmkrebs ist die jährliche Untersuchung des Stuhls. Sollte dort unsichtbares Blut entdeckt werden, so ist eine Darmspiegelung meistens der nächste Schritt.

Darmkrebsscreenings

Die vorsorgliche Darmspiegelung wird für Personen zwischen 50 und 69 Jahren von der Krankenkasse bezahlt. Im Kanton Solothurn wird demnächst ein Programm zur Früherkennung von Darmkrebs lanciert. Studien zeigen, dass die Anzahl der Todesfälle dank einer Frühuntersuchung bis zur Hälfte reduziert werden kann. «Es ist sehr schade, wenn damit zu lange gewartet wird – denn es ist ein kleiner Eingriff mit einer grossen Wirkung», so der Chefarzt der Gastroenterologie.


Gesundheitswoche auf Radio 32

Wir sind auch mit dieser Ausgabe bei der Gesundheitswoche bei Radio 32 mit dabei. Prof. Dr. med. Radu Tutuian Chefarzt Gastroenterologie/Hepatologie im Interview.


Prävention von Darmkrebs

Einen garantierten Schutz vor Darmkrebs gibt es nicht. Aber mit einem gesunden Lebensstil kann das Risiko gesenkt werden.

Dazu gehören:

  • Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Früchten, Nahrungsfasern wie Vollkornprodukte oder Hülsen­früchte und wenig rotes oder geräu­chertes und gepökeltes Fleisch.
  • Regelmässige Bewegung regt die Darmtätigkeit an und hilft so, das Risiko für Darmkrebs zu senken. Es steigert übrigens auch das Wohlbefinden.
  • Rauchen steigert das Risiko für ver­schiedene Krebsarten, auch für Darm­ krebs. Ein Rauchstopp lohnt sich also.
  • Übergewicht vermeiden. Auch dies kann das Risiko für Darmkrebs erhöhen.


Ablauf einer Darmspiegelung am Darmkrebszentrum


Wir freuen uns über Ihre Kommentare zum Beitrag!


Weitere Beiträge

Vom Spital bis zur Spitex

Die beste Versorgung im Spital nützt wenig, wenn die notwendige  Nachsorge nach dem Spitalaustritt schlecht oder gar nicht organisiert wurde. Fünf Sichtweisen, wie eine gute Übergabe geplant sein soll.

Vernetzte Zusammenarbeit Orthopädie

Mit den heutigen Operationstechniken sind Patientinnen und Patienten viel rascher mobil als noch vor zehn, zwanzig Jahren.

Spitalaustritt bringt Änderungen mit

Es ist ein sehr verständlicher Wunsch, dass Patientinnen und Patienten nach einem Spitalaufenthalt am liebsten wieder nach Hause möchten. Leider ist das nicht immer der Fall.