Céline Bürgi spielt Tennis

«Ein unbeschreiblicher Schmerz»

Céline Bürgi spielt Tennis

BRUCH DES SCHULTERGELENKS

«Ein unbeschreiblicher Schmerz»

Céline Bürgi dachte am 30. Dezember 2019 beim Aufstehen wohl kaum daran, dass sie an diesem Tag von Adelboden via Frutigen ins Bürgerspital Solothurn gebracht werden sollte. Der Schultergelenksspezialist Dr. med. Ulf Riede aber genau so wenig.

«Ich hatte am Morgen früh ein ungutes Gefühl und sagte meinem Mann, dass ich heute lieber mit meiner Freundin einen Spaziergang machen wolle anstatt auf die Skipiste zu gehen. Wir waren zwischen Weihnachten und Neujahr für einige Tage in Adelboden am Skifahren. Dann, auf einem vereisten Wanderweg, rutschte ich aus und fiel heftig auf meinen Ellbogen. Es war ein unbeschreiblicher Schmerz! Ich konnte weder aufstehen noch konnte ich mich zum nahen Restaurant schleppen. Meine Freundin alarmierte den Rettungsdienst, Wanderer kamen zu Hilfe. Der Versuch, mich über den vereisten Weg ins Ambulanzfahrzeug zu tragen, scheiterte. Drei Stunden später kam die Rettungsflugwacht. Der Arzt gab ich mir ein starkes Schmerzmittel, ab da bekam ich kaum mehr mit, was vor sich ging.

Im Spital Frutigen hatten sie alle Hände voll zu tun. Nach einem Röntgen war klar, dass ich mir einen komplizierten Bruch des Schultergelenks zugezogen hatte. Es folgte die Verlegung ins Bürgerspital Solothurn, eine Computertomografie wurde gemacht. Nach einer Nacht, in der ich vor Schmerzen kaum schlafen konnte, wurde ich am nächsten Morgen um 7 Uhr in den Operationssaal gebracht. Es hiess, der Schulterspezialist des Bürgerspitals, Doktor Riede, werde aus den Ferien anreisen, um mich zu operieren. Gesehen habe ich ihn nicht, er rief mich nach der Operation aber mehrmals an, um sich nach mir zu erkundigen.

Heute, fast ein halbes Jahr nach dem Unfall, kann ich meine Schulter wieder ziemlich gut bewegen und bin so gut wie schmerzfrei. Der Weg dahin war aber lang. Ich freue mich, dass ich schon bald wieder Tennis spielen kann. Rückblickend darf ich sagen, dass ich mir eine bessere medizinische Betreuung nicht hätte wünschen können.»

Céline Bürgi, Juristin, Solothurn

Das Schultergelenk

Die Bewegungsfreiheit der Schulter lernt man erst richtig schätzen, wenn sie eingeschränkt ist. Die Schulter ist das einzige Gelenk des Körpers, welches eine Rundbewegung ausführen kann, kaum eine Bewegung des Oberkörpers ist ohne Schulter möglich. Das Schultergelenk wird vor allem durch Muskeln stabilisiert und weist im Vergleich zum Knie weniger Bänder auf, die das Gelenk verstärken. Daher ist die Schulter auch verletzungsanfälliger als andere Körpergelenke.

«Ich war mit der Familie im Engadin in den Skiferien, als ich angepiept wurde. Es gehe um den Fall einer jungen Patientin mit einem komplexen Bruch des Oberarmkopfs der Schulter, ein sogenannter mehrfragmentärer Trümmerbruch oder in der Fachsprache: proximale Humerusfraktur. Die meisten dieser Frakturen müssen nicht operiert werden und verheilen mit guter Therapie von alleine. Nachdem ich aber die radiologischen Bilder erhalten hatte, war klar, dass dieser Bruch rasch operiert werden musste. In den Solothurner Spitälern verfolgen wir den Grundsatz, dass jeder Leitende Arzt ein Organ zu seinen Spezialgebieten zählt, denn nur so erreichen wir gute Operations-ergebnisse. Deshalb war es klar und richtig, dass ich als Schulterspezialist hinzugezogen wurde. Ein Anruf am Wochenende oder während den Ferien kommt glücklicherweise selten vor.

Als ich am 31. Dezember frühmorgens aus dem Engadin anreiste, war die Patientin bereits im Operationssaal und ich konnte den Eingriff ohne Komplikationen durchführen. Am Nachmittag stand ich bereits wieder mit meinem Sohn auf der Skipiste. Für die Nachkontrolle telefonierte ich mit der Patientin und begutachtete die weiteren Röntgenbilder online. Die Rehabilitationszeit bei Schulterfrakturen darf nicht unterschätzt werden. Dazu gehört eine gute und kompetente Physiotherapie, die genauso so wichtig ist wie die Arbeit des Chirurgen. Das muss Hand in Hand gehen.»

Dr. med. Ulf Riede, stv. Chefarzt Orthopädie, Schwerpunkt Schulter und Ellbogengelenk

Ulf Riede sitzt auf einem farbigen Stuhl

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Bettina Ischi hilft einer Patientin aufzustehen.

Den Körper wahrnehmen

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KINÄSTHETIK – WENIGER KRAFT, MEHR BEWEGUNG

Den Körper wahrnehmen

Mit Kinästhetik werden zwei Ziele verfolgt: Das Pflegepersonal vermeidet dadurch Überlastungsbeschwerden und Patienten lernen, sich selbst schonend zu bewegen.

Haben Sie sich schon einmal überlegt, welche Muskeln Sie anspannen, wenn Sie vom Stuhl aufstehen? Oder merken Sie, wo Sie am meisten Kraft brauchen, wenn Sie einen Gegenstand vom Boden heben? In den Armen? Bauch? Oder den Beinen? Den meisten Menschen wird dies erst dann bewusst, wenn sie in ihrer Bewegung eingeschränkt sind oder Schmerzen haben.

«In der Kinästhetik geht es deshalb in erster Linie einmal darum, seinen eigenen Körper wahrzunehmen. Erst, wenn wir lernen, unsere Spannung bei einer Bewegung zu spüren, können wir auch Veränderungen vornehmen», sagt Bettina Ischi, diplomierte Pflegefachfrau und Kinästhetik-Trainerin an den Solothurner Spitälern. Ihre Hauptaufgabe ist es, sowohl medizinisches Fachpersonal wie auch Patientinnen und Patienten zu schulen. So können Pflegende etwa Patienten beim Aufstehen unterstützen, aber auch den Weg aufzeigen, wie sich diese ohne übermässige aber mit physiologisch sinnvoller Anstrengung bewegen können.

Selbstständigkeit fördern

Bei einer Pflegefachperson kann das zum Beispiel die Anleitung sein, den Patienten nicht vom Bett auf den Rollstuhl rüberzuwuchten, sondern herauszufinden, wo ein Patient noch Ressourcen hat. Wenn er also noch mit ein wenig Hilfe selber stehen kann, so sollte er nicht direkt vom Bett in den Rollstuhl gehoben werden, sondern zuerst in den Stand und erst danach in den Rollstuhl. Das führt dazu, dass Patienten in der Regel rascher mobil werden und die Pflegende dadurch weniger Belastungen hat. Je rascher der Patient sich wieder selbstständig bewegen kann und in seiner Selbstständigkeit unterstützt wird, desto schneller wird er gesund. Das Prinzip der Kinästhetik wird im Gesundheitsbereich seit über 20 Jahren geschult und ist auch ein obligatorisches Schulfach in der Pflege. Seit einiger Zeit können auch pflegende Angehörige vom Schulungsangebot profitieren.

Kräfteschonend Angehörige pflegen

In diesem Kurs erhalten Angehörige von pflegebedürftigen Menschen Ideen, wie sie bei ihrer Tätigkeit gezielter auf die eigene Gesundheit achten und die Ressourcen der pflegebedürftigen Person bestmöglich unterstützen können.

Kursinhalt

  • Die eigene Bewegung besser verstehen
  • Körperliche Belastung reduzieren
  • Andere Menschen ohne grössere körper-liche Anstrengung bewegen
  • Andere Menschen bei ihren Bewegungen unterstützen, statt heben und tragen
  • Geeignete Hilfsmittel zur Unterstützung nutzen

Der Kurs ist eine Dienstleistung von Prävention soH und kostenlos.

Weitere Informationen und Anmeldung:
www.solothurnerspitaeler.ch/praevention

Veranstaltungen der Solothurner Spitäler:
www.solothurnerspitaeler.ch/aktuelles/veranstaltungen/


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SCHMERZEN DURCH ARTHROSE

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Arthrose ist eine häufige Erkrankung bei Personen über 60 Jahre und kann den Alltag stark einschränken. Ein neues, bestechend einfaches Therapieprogramm zeigt nun aber grosse Erfolge.

Jede vierte Person in der Schweiz leidet unter Arthrose und hat dadurch leichte bis sehr starke Schmerzen. Die Schmerzen können sowohl in ruhendem Zustand auftreten als auch bei der Bewegung. Am häufigsten sind der Bereich der Hüfte oder das Knie betroffen (siehe Kasten «Was ist Arthrose?»).

Arthrose gilt als unheil- aber behandelbar. Oft wird ein Therapiemix aus Bewegung, Medikamenten und als letztes Mittel die Operation vorgesehen, bei dem etwa ein künstliches Gelenk eingesetzt wird. Ein neues Therapieprogramm aus Dänemark mit dem Namen GLA:D – Good Life with osteoArthritis (übersetzt: Gutes Leben mit Arthrose) – zeigt nun aber, wie mit einfachen Methoden überraschende Resultate bei Arthrose-Patienten erzielt werden können. Kernpunkt des Programms ist, dass Patientinnen und Patienten nach einer eingehenden Untersuchung lernen, ihre Bewegungen und Haltung zu kontrollieren, ihre Muskelkraft zu trainieren und ganz zentral: Sie lernen auch, wie sie funktionale Übungen in ihren Alltag einbauen können.

Was ist Arthrose?

 Bei jeder Verbindung ist der Knochen mit einer dünnen Knorpelschicht überzogen. Bei einer Arthrose ist diese Schicht beschädigt oder abgebaut. Die meisten Arthrosen lassen sich auf eine Fehlstellung, übermässige Belastung oder Bewegungsmangel zurückführen, da Gelenke, die zu wenig bewegt werden, keine «Gelenkschmiere» mehr bilden. Am häufigsten betroffen von Arthrose sind die Hüft- und Knie- sowie die Fingergelenke.

Vielfältige Symptome

Die ersten Anzeichen einer Arthrose sind dumpfe oder stechende Schmerzen, sobald das Gelenk bewegt wird. Betroffene berichten oft von einem Anlaufschmerz am Morgen. Wird das Gelenk eine Weile bewegt, kann der Schmerz auch wieder verschwinden. Die Krankheit kann Betroffene so weit einschränken, dass Socken anziehen, in einen Mantel schlüpfen oder Schuhe binden zu einer grossen Herausforderung werden können.

Wer rastet, rostet

Eine weitere Erkenntnis, welche die Patienten machen sollen, ist, dass Bewegung – vor allem zu Beginn – auch Schmerzen bereiten kann und dass damit nicht noch mehr Schaden angerichtet wird. Im Gegenteil. Denn gerade Bewegungsmangel kann dazu führen, dass ein Gelenk, welches nicht belastet wird, zu wenig Gelenkflüssigkeit absondert und damit rascher zu einem Abbau des Gelenkknorpels führt.

Nach zwei bis drei Einzelsitzungen finden die Übungen meistens in der Gruppe statt. Das fördert den Wissenstransfer, aber auch das Bewusstsein, mit der Krankheit nicht alleine zu sein. Erhebungen aus Dänemark zeigen, dass bei rund einem Drittel der Patienten die Schmerzen abnehmen sowie Schmerzmittel teilweise abgesetzt oder reduziert werden können. Das erspart vielen Patienten eine Operation oder kann den Eingriff hinauszögern und sorgt so für eine höhere Lebensqualität mit mehr Bewegung. GLA:D wurde bereits am Bürgerspital Solothurn eingeführt und wird nun auf alle anderen Standorte der Solothurner Spitäler ausgeweitet.


Arthrose vorbeugen

  • Bewegen Sie sich. Je mehr sich die Gelenke bewegen, desto elastischer und belastbarer bleibt das Knorpelgewebe in den Gelenken. Ideale Sportarten sind Velofahren, Schwimmen, Wassergymnastik, Tanzen, Wandern oder ein moderates Krafttraining.
  • Abnehmen. Besonders die Kniegelenke, aber auch die Wirbelsäule und andere Gelenke leiden unter dem Druck der überflüssigen Kilos.
  • Gesunde Bewegungsabläufe in den Alltag einbauen. Arthrose-Patienten lernen, wie sie ihre Gelenke beim Heben, Sitzen oder Tragen richtig belasten.
  • Geben Sie das Rauchen auf. Es gibt Hinweise, dass der Nikotinkonsum die Versorgung des Knorpels mit Nährstoff stören kann.


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Dr. med. Michael Schmelz, Unfallchirurg, neben einem Schulungsskelett.

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STÜRZE IM ALTER

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Für junge Menschen bleibt ein Sturz meistens ohne Folgen. Bei alten Menschen aber kann er das gesamte Leben auf den Kopf stellen. Unfallchirurg Dr. med. Michael Schmelz fordert deshalb mehr Präventionsarbeit in diesem Bereich.

Über 80 000 Menschen, die älter sind als 65 Jahre, stürzen gemäss Beratungsstelle für Unfallverhütung jedes Jahr. Bei 1600 Personen ist ein Sturz ­tödlich, 96 Prozent dieser Todesfälle entfallen auf Personen über 65 Jahre. Stürze sind schweizweit also die häufigste Unfallursache. Die allermeisten Stürze ereignen sich im eigenen Haushalt, zwei Drittel der Sturzunfälle geschehen ebenerdig. Man stolpert über den Teppich, über ein Kabel oder rutscht auf einem glatten Boden aus.

Viele Nebendiagnosen

«Heute sind bis zu drei Viertel dieser Sturzpatienten im Spital betagte Menschen», sagt Dr. med. Michael Schmelz, Leitender Arzt Orthopädie am Kantonsspital Olten mit dem Schwerpunkt Unfallchirurgie. «Die grosse Herausforderung bei betagten Menschen ist, dass diese Patientinnen und Patienten oft Nebenerkrankungen haben, welche den chirurgischen Eingriff zur Herausforderung machen.» Etwa, weil sie wegen Bluthochdruck Medikamente nehmen, welche die Blutgerinnung hemmen, Diabetes haben oder eine Knochenerkrankung wie Osteoporose. Deshalb werden betagte Unfallpatienten auch geriatrisch betreut – sie brauchen also nicht nur den chirurgischen Eingriff, um den Knochen wiederherzustellen, sondern eine ganzheitliche, altersmedizinische Betreuung. «Die Interdisziplinarität bei solchen Eingriffen hat enorm zugenommen», so Michael Schmelz, der die unkomplizierte und teamorientierte Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Abteilungen im Kantonsspital Olten explizit erwähnt. «Im Gegensatz zu früher, als der Chirurg entschied und die anderen ausführten, wird heute das Fachwissen aller medizinischen Fachrichtungen zusammengetragen für das beste Behandlungsergebnis.»

Mehr Präventionsarbeit

Entscheidend für den Erfolg einer Operation bei hochbetagten Menschen sei die Zeit. «Wenn sich betagte Menschen nicht mehr bewegen können und dadurch an Mobilität einbüssen, so verschlechtert sich ihr Allgemeinzustand enorm rasch und die Rate an Komplikationen steigt.» Deshalb sollten die Eingriffe in diesen Fällen innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach dem Unfall erfolgen. So rasch ein Eingriff erfolgen muss, so wichtig ist eine gründliche medizinische Vorbereitung und danach die gute und häufig auch zeit­intensive geriatrische Betreuung. «Die sorgfältige Vorgehensweise mag zwar manchmal zu einem etwas längeren Aufenthalt führen, dafür haben wir aber durch die Kooperation zwischen Geriatrie und Traumatologie eine sehr tiefe Rehospitalisationsrate.»

Schaut Michael Schmelz auf seine 20 Jahre in der Chirurgie zurück, so operierte man vor 20 Jahren meistens Unfallopfer aus dem Strassenverkehr. Heute sind es vor allem Knochenbrüche betagter Menschen. Das zeige, dass die Präventionsprogramme im Strassenverkehr ihre Wirkung zeigten, so Michael Schmelz. «Und jetzt brauchen wir dringend dieselben Präventionsprogramme, um die Anzahl der Stürze zu Hause zu minimieren.»

Der Arzt zeigt Röntgenbilder von gebrochenen Knochen

Stürze im Alter vermeiden – 5 Tipps

  1. Im Alter nimmt die Muskelkraft und auch die Koordination ab. Kraft und Gleichgewicht aber können bis
    ins hohe Alter trainiert werden. Erkundigen Sie sich in Ihrer Gemeinde oder bei Pro Senectute nach entsprechenden Kursangeboten.
  2. Prüfen Sie Ihre Wohnung auf Stolperfallen wie etwa Teppiche, Kabel, Türschwellen oder rutschige Böden.
  3. Sorgen Sie für genügend Licht im Haus oder der Wohnung. VerwendenSie helle Leuchtmittel.
  4. Achten Sie  darauf, dass der Zugang zum Haus immer frei ist von Schnee, Eis und Laub.
  5. Lassen Sie regelmässig Ihre Sehfähigkeit kontrollieren. Abnehmende Sehfähigkeit ist oft ein Grund für Stürze.


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3 FRAGEN AN DIE SPORTWISSENSCHAFTERIN

Der schmale Grat zwischen Training und Sucht

Flora Colledge, sind Sie als erfolgreiche Triathletin mit rund 25 Trainingsstunden pro Woche die Richtige, um über Sportsucht zu forschen?

Das werde ich immer wieder gefragt und es ist eine berechtigte Frage. Aber gerade als Profisportlerin kenne ich den Unterschied zwischen intensivem Training und Suchtverhalten sehr gut. Es ist ein schmaler Grat. Ich trainiere, um Wettkämpfe zu gewinnen – Sportsüchtige nehmen meistens nicht an Wettkämpfen teil. Ich bin froh, auch mal eine Pause einlegen zu können oder das Trainingspensum zu reduzieren – Sportsüchtige müssen ihr genau definiertes Trainingsprogramm absolvieren, egal ob sie eine Verletzung haben oder krank sind. Meine sozialen Kontakte sind mir wichtig – Sportsüchtige aber vernachlässigen zugunsten ihrer Trainingseinheiten oft Familie oder soziale Kontakte.

Sind es mehr Männer oder Frauen, die eine Sportsucht entwickeln können?

Wir gehen von rund 40% Frauen und 60% Männer aus. Das sind keine allzu grossen Unterschiede. Die meisten dieser Sportsüchtigen trainieren in Fitnesscentern und absolvieren dort ihre festgelegten Einheiten. Bei Frauen ist oft auch eine Essstörung im Spiel.

Was kann man gegen Sportsucht tun?

Als Erstes erkennen, dass man ein Suchtverhalten hat. Ein wichtiges Anzeichen dafür ist, dass man kaum mehr ohne Training leben kann. Im Gegensatz zu anderen Sportlern, die beim oder nach dem Sport Glücksgefühle erleben, geniessen Sportsüchtige ihr Training nicht, sie sind von einer inneren Unruhe getrieben. Herausfordernd in der Therapie ist, dass Bewegung grundsätzlich ja etwas Gutes ist. Es geht also darum, wieder Freude am Sport zu entwickeln. Das aber schafft man kaum selber und sollte darum therapeutisch begleitet werden.


Dr. Flora Colledge

ist nicht nur Sportwissenschafterin am Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit der Universität Basel, sondern auch erfolgreiche Triathletin. Sie gewann den Patagonman 2019 in Chile – das Rennen zählt zur «Extreme Triathlon»-Serie.

 

Sind Sie süchtig nach Sport? Machen Sie den Test!

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Hohes Engagement im Alltag zugunsten des Patienten? Etwas ganz Alltägliches. In verschiedensten Abteilungen. Auf diverse Arten. Stellvertretend dafür zwei Berichte über Pflegefachfrauen, die einfach mal etwas Anderes umsetzten und wortwörtlich Bewegung ins Spiel bringen wollten. Die Summe solcher kleinen Schritte hat grosse Wirkung – für den Patienten sowie für das Spital.

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«So etwas habe ich in all meinen Berufsjahren noch nie erlebt», sagt Anna Caniglia, Leiterin Logistik-Zentraleinkauf der Solothurner Spitäler AG, als sie darauf angesprochen wird, wie es ihrer Abteilung gelungen sei, auch während der Coronazeit genügend Schutzmaterial zur Verfügung zu haben. «Namhafte und langjährige Lieferanten konnten nicht mehr liefern, waren telefonisch nicht erreichbar, Bestellungen oder Verträge wurden einseitig annulliert. Der Markt spielte verrückt und qualitativ schlechtes Material wurde zu überteuerten Preisen angeboten.»

Besonders prekär sei es gewesen, als während des Lockdowns die Flugverbindungen eingestellt, diverse Grenzen geschlossen und von Deutschland, Frankreich und weiteren EU-Ländern der Exportstopp für Schutzmaterialien verhängt wurde. 12 bis 14 Stunden am Tag arbeiteten ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um genügend und vor allem auch qualitativ gutes Schutzmaterial zu besorgen. «Wenn wir ein Angebot erhielten, stellten wir als Erstes zwei Fragen: 1. Ist das Material zertifiziert? 2. Ist die Ware bereits hergestellt und in der Schweiz?» Erst dann konnte weiterverhandelt werden.

Am Ende waren es die kleinen, flexiblen Lieferpartner, der grosse Einsatz der Mitarbeitenden, die enge Zusammenarbeit mit dem Kanton und die gegenseitige Hilfe der Spitäler untereinander, die dafür sorgten, dass es zu keinen Engpässen in den Spitälern gekommen sei. Und: Die Vorsorge. «Wir begannen bereits Ende Januar vermehrt Material zu bestellen, als wir gesehen hatten, was auf uns zukommt», so Anna Caniglia. Und heute? «Die Lage hat sich etwas entspannt, es gibt mittlerweile auch Schweizer Produzenten von Schutzmaterial – und auf die setzen wir.»


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