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Alzheimer

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Das Wunder von Grenchen

Leben nach dem Hirnschlag

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Isabel Schild war erst 19, als sie einen schweren Hirnschlag erlitt. Trotz gegenteiliger Prognose kämpfte sie sich zurück ins Leben.

Ich weiss noch, dass ich die Katze gestreichelt habe. Dann sagte mir meine Mutter, ich solle das Fenster schliessen. Plötzlich lag ich am Boden. Ich hatte keine Ahnung, was mit mir los war. Ich weiss aber noch, wie ich dauernd sagte: «Es geht mir gut. Es geht mir gut. Immer und immer wieder.» Isabel Schild war damals 18 Jahre alt, in der Elitemannschaft des Swim Team Biel Bienne, im letzten Jahr in der Sportlerklasse der Kantonsschule Solothurn, als sie am 9. Juli 2009 einen schweren Hirnschlag erlitt. Sie blieb bei Bewusstsein, konnte jedoch ihren Namen nicht mehr sagen.

Der Hirnschlag – auch Schlaganfall oder Stroke genannt – ist in industrialisierten Ländern die dritthäufigste Todesursache und häufigste Ursache für bleibende Behinderungen im Erwachsenenalter. Bis zu 16 000 Personen erleiden in der Schweiz
jährlich einen Hirnschlag.

Dann kam die Ambulanz. Zuerst wurde sie ins Bürgerspital Solothurn gefahren, nach Tests und der klaren Dia­gnose Hirnschlag, Stroke, folgte die Verlegung nach Bern. Alles dauerte viel zu lange. Heute gilt die Maxime, dass bei Hirnschlag die Behandlung in der ersten Stunde erfolgen muss, um Spätschäden zu verhindern. Bei Isabel Schild waren es mehrere Stunden. Viel zu spät. Die Diagnose der Ärzte war niederschmetternd: Isabel Schild werde, falls sie überhaupt überlebe, nie mehr sprechen und nie mehr gehen können. Der Seelsorger wurde bereits organisiert. Der Vater wies ihn zurück. Es sei noch nicht soweit.

Beim Hirnschlag zählt jede Minute. In den meisten Fällen verstopft ein Blutgerinnsel (Thrombus) ein Hirngefäss und das betroffene Hirnareal erhält nicht mehr genügend Sauerstoff. Je schneller die Blutversorgung wiederhergestellt werden kann mit medikamentöser Behandlung oder einem operativen Eingriff, desto weniger Nervenzellen sterben ab.

Das Blutgerinnsel, das bei Isabel Schild eine Hirnarterie verstopfte, wurde durch einen operativen Eingriff entfernt. Als sie aufwachte, wollte sie die Schläuche rausreissen, konnte aber nicht. Dass sie behindert war, merkte sie erst, als eine Pflegende sie fragte, warum sie keine Antwort gebe. «Da realisierte ich, dass ich nicht mehr reden konnte.» Ihr Sprach- und ihr Rechenzentrum im Hirn waren zerstört, abgestorben durch die Unterversorgung mit Sauerstoff. Ihre rechte Körperhälfte war komplett gelähmt, sie sah nur noch auf einem Auge. «Ich hatte keine Panik», sagt Isabel Schild rückblickend, «aber es war ein Scheissgefühl.» Die Ärztinnen und Ärzte blieben dabei, der Hirnschlag sei so schwer gewesen, dass sie sich auf ein Leben im Rollstuhl einstellen müsse, ohne je wieder sprechen zu können.

«Nach drei Wochen Aufenthalt im Spital spürte ich plötzlich, dass ich mein gelähmtes Bein bewegen konnte. Ich behielt es für mich.» Warum? «Ich weiss nicht. Vielleicht, weil ich das Gefühl hatte, aufgegeben worden zu sein?» Ihre Schwester bemerkte es zufällig. Und meldete es weiter. Von da an galt sie als medizinisches Wunder. Immer wieder kamen ganze Gruppen von Ärztinnen und Ärzten an ihr Bett und freuten sich über Isabel Schilds Fortschritte. «Ich glaubte immer daran, dass ich wieder einmal gehen kann», sagt Isabel Schild, denn schliesslich gab es im Elternhaus eine Treppe, und die musste sie doch selber hochgehen können. Das war ihr Antrieb.

Rehabilitation nach einem Hirnschlag beginnt unmittelbar nach dem Ereignis im Spital. Damit die Rehabilitation erfolgreich ist, braucht es den Willen, Ausdauer und
die Motivation der Patientin, mitzuarbeiten. Sie muss bereit sein, Neues zu lernen und sich ein neues Körpergefühl anzueignen.

Es folgten zwölf Wochen Logo-, Physio- und Ergotherapie in Bern. Sie musste wieder schlucken und sprechen lernen, lernte wieder gehen und sich bewegen, schulte ihre Feinmotorik. Sie nervte sich aber auch über die Langwierigkeit der Therapie. Sie hatte keine Geduld. Nach drei Monaten dann die Verlegung in ein Rehabilitationszentrum. «Dort war das Durchschnittsalter 80 Jahre und älter, um 18 Uhr steckten sie die Patienten ins Bett. Das war nichts für mich.» Nach fünf Tagen war sie wieder draussen. Startete halbstationär ein Rehabilitationsprogramm im Bürgerspital Solothurn mit intensiver Logo-, Physio- und Ergotherapie. Sie hatte Schmerzen. Es war langwierig, es war mühsam. Sie musste lernen, die eigene Ungeduld zu zügeln. Noch heute sind Therapie­programme ein Teil ihres Alltags.

Nach einem Jahr Unterbruch wollte sie zurück an die Kantonsschule. Sie musste feststellen, dass der Abschluss mit einer Matur nicht mehr möglich war. Ihr Traum von einem rechtswissenschaftlichen Studium war geplatzt. Sie musste sich neu orientieren und startete 2011 ein Praktikum im kaufmännischen Bereich durch die Zusammenarbeit mit der Kaufmännischen Berufsschule, der IV-Stelle Solothurn und ihrem Therapeuten am Bürgerspital Solothurn. Anschliessend liess sie sich zur Büro­assistentin ausbilden. Trotz ihrer Defizite beim Rechnen. Der Ausbildungsbetrieb glaubte an sie, gab ihr eine Chance und hatte Verständnis, dass gewisse Aufgaben nicht immer mit der Geschwindigkeit einer Gesunden erledigt wurden. 2016 machte Isabel Schild dann den ordentlichen kaufmännischen Abschluss.

Bei einem epileptischen Anfall entladen sich Nervenzellen im Gehirn. Das kann sich etwa durch ein leichtes Zucken des Auges äussern bis hin zu einem Krampf am ganzen Körper. Nicht alle Anfälle verlaufen gleich schwer. Der Epilepsieverlauf ist durch Medikamente gut zu beeinflussen.

Isabel Schilds Genesung ist jedoch nicht nur aufwärtsgegangen. Zurück ins Jahr 2010. Ein Jahr nach dem Hirnschlag kam die Epilepsie hinzu. Ausgelöst durch das Narbengewebe im Hirn. Über 100 Anfälle hatte sie seither. Nur die ersten waren heftig, heute sind es noch Gesicht und Arm, die bei einem Anfall leicht zittern. Den letzten Verdacht auf einen Anfall hatte sie im Hitzesommer 2018, als sie ihren Arm und ihr Bein nicht mehr richtig spürte. «Ich will aber nicht wegen jeder Kleinigkeit ins Spital rennen», sagt sie. Deshalb tauscht sie sich regelmässig telefonisch oder per Mail mit ihrem behandelnden Neurologen Dr. med. Robert Bühler vom Bürgerspital Solothurn aus. «Er sagt mir jeweils, wann ein Spital­besuch angezeigt ist oder ob ich noch etwas zuwarten kann. Das gibt mir Vertrauen.»

Vertrauen hat Isabel Schild auch wieder in ihren Körper gewonnen. Brust-, Rückenlage und Kraul liegen bei der ehemaligen Leistungsschwimmerin wieder drin. Nur Delfin geht nicht mehr – es fehlt ihr die Kraft, beide Arme gleichzeitig aus dem Wasser zu bringen.

Man mag Isabel Schilds Geschichte kaum glauben, wenn sie in ihrer Wohnung in Grenchen so dasitzt, mit ihrer dreimonatigen Tochter im Arm. Eine stolze Mutter. «Mein Stieregrind hat eben auch seine guten Seiten», lacht sie. Ihre Familie habe sie immer unterstützt und ihr Mann übernehme dort, wo sie nicht kann. Nur wer ihre Geschichte kennt, merkt, dass sie beim Gehen leicht nachzieht, sieht, dass ihre Bewegungen mit dem rechten Arm ganz wenig ungelenk sind und dem fällt vielleicht auch die Medikamentenbox auf der Küchenablage auf. Sie schämt sich nicht. Aber Isabel Schild will einfach nicht krank sein.


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Jede Minute zählt

Schlaganfall

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Je rascher ein «Schlaganfall» beziehungsweise ein Hirnschlag behandelt werden kann, desto grösser sind die Chancen, dass der Betroffene keine schweren Langzeitschäden davonträgt.

«Wenn ein Hirnschlagpatient vor 20 Jahren ins Spital gekommen ist, legte man ihn ins Bett und gab lediglich etwas Aspirin als Blutverdünner, um eine weitere Verschlechterung zu verhindern», sagt Dr. med. ­Michael Schärer, Leitender Arzt Neurologie und Co-Leiter der Stroke Unit am ­Bürgerspital Solothurn. «Heute aber», so Michael Schärer weiter, «ist der Hirnschlag eine Erkrankung, bei der rasches und nahtlos ineinandergreifenes Handeln zahlreicher Fachgebiete gefordert ist.» «Time is brain» lautet ein Sprichwort im Zusammenhang mit dem Hirnschlag, «Zeit kostet Hirn».

Der Hirnschlag wird bei rund 85% der Patienten durch einen plötzlichen Verschluss eines hirnversorgenden Gefässes verursacht. Dadurch kommt es zu einer Minderdurchblutung einer Hirnregion. Je länger diese ohne Versorgung bleibt, desto mehr Hirnzellen sterben ab. Je rascher also bei einem Schlaganfall eine Behandlung erfolgt, desto höher ist die Chance, möglichst viel Hirngewebe und Hirnfunktion retten zu können. Deshalb gibt es an immer mehr Spitälern spezialisierte Teams, die als sogenannte Stroke Units oder Stroke Centers organisiert sind (siehe Kasten). «Untersuchungen zeigen, dass es in solchen Spitälern zu weniger Todesfällen und weniger Folgeschäden kommt», so Michael Schärer. Aber das Allerwichtigste bei einem Schlaganfall bleibt das rasche Erkennen.


Was ist ein Schlaganfall?

Es gibt viele Bezeichnungen für einen Schlaganfall: Streifung, Schlägli, Hirnschlag, Hirninfarkt oder Stroke. Ein Schlaganfall definiert sich dadurch, dass eine Hirnregion durch eine verstopfte Hirnarterie oder eine Hirnblutung plötzlich zu wenig Sauerstoff bekommt.

  • Der Ischämische Schlaganfall macht rund 85 Prozent aller Schlaganfälle aus. Dabei verstopft ein Blutgerinnsel eine Hirnarterie.
  • Eine Hirnblutung oder ein Hämorrhagischer Schlaganfall betrifft rund 15 Prozent. Dabei reisst entweder ein Blutgefäss im Gehirn und das austretende Blut drückt auf das Hirngewebe, oder es reisst ein Blutgefäss im Bereich der -Hirnhäute, wobei sich das Blut  zwischen Hirnhäuten und Gehirn verteilt.


Behandlungsschritte bei einem Hirnschlag

1 Schlaganfall erkennen

Plötzliche Schwäche, Lähmung oder Gefühlsstörung auf einer Körper- oder Gesichtsseite.

Plötzliche Erblindung (meist auf einem Auge) oder Doppelbilder.

Plötzliche Sprechstörungen.

Plötzlicher, heftiger Schwindel oder Gleich-gewichtsstörung mit Gehunfähigkeit.

Plötzlicher und ungewöhnlich heftiger Kopfschmerz (Achtung – in der Regel macht der Hirnschlag keine Kopfschmerzen,
nur Hirnblutungen führen oft zu solchen).


2  Notfallbehandlung

  • Sofortige Diagnose durch eine klinische Untersuchung, ein Computertomogramm (CT) der eine Magnetresonanztomographie (MRT) sowie engmaschige Überwachung.
  • Bei der Thrombolyse-Therapie werden Medikamente mit einer Infusion über die Vene verabreicht oder über einen dünnen Katheter direkt am Ort des Blutgerinnsels. Dadurch wird das Blutgerinnsel aufgelöst. Eine Operation wird dann durchgeführt, wenn etwa bei einer Hirnblutung der Druck im Schädel reduziert werden muss, damit sich Hirnareale erholen und ihre Funktionen wiederhergestellt werden können.


3  Rehabilitation und Sekundärprävention

  • Nach einem Schlaganfall ist das Risiko eines zweiten Anfalls hoch. Deshalb müssen je nach Ursache des Hirnschlags eine individuelle Einstellung der Medikamente vorgenommen und Verhaltensänderungen (wie etwa Rauchstopp) diskutiert werden mit dem Ziel, weitere Hirnschläge zu verhindern.
  • Ebenso wichtig ist auch, dass die Patientin oder der Patient mit funktionellen Einschränkungen als Folge des Hirnschlags  eine frühe Rehabilitation erhält.

Stroke Unit Bürgerspital Solothurn

Die Stroke Unit am Bürgerspital Solothurn ist spezialisiert auf die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Schlaganfällen. In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der Notfallstation, der Intensiv- und Überwachungsstation sowie den Spezialisten von Radiologie, Gefässchirurgie und Kardiologie werden Patienten mit einem Schlaganfall je nachdem konservativ mit Medikamenten oder mit intravenöser Thrombolyse behandelt. In schwerwiegenden Fällen, wenn etwa mit einem Katheter direkt eine grosse verstopfte Arterie wiedereröffnet werden muss, werden Patienten an die Universitätsklinik Inselspital Bern verlegt. Nach und während der Behandlung von Schlaganfällen wird eine Ursachenabklärung durchgeführt, um weitere Schlaganfälle zu verhindern. Parallel dazu wird, sofern erforderlich, eine rasche Rehabilitation durch Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie eingeleitet. Die Stroke Unit in Solothurn gehört zu einem Netzwerk von 23 spezialisierten Kliniken in der Schweiz.


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Stephan Michels, was ist das Wichtigste bei einer Demenzbehandlung?

Nach einer sorgfältigen Diagnostik ist es unsere Aufgabe, Perspektiven für die Behandlung und die weitere Betreuung zu entwickeln. Angehörige kommen oft mit der Erwartung, man könne bei einer Demenz kurz mal die Medikamente einstellen und gut ist es. In dieser Form funktioniert das leider nicht. Denn bei einer Demenzerkrankung ist es nebst einer angepassten Medikation genauso wichtig, dass die Lebens- und Betreuungs-situation angepasst wird.

Wie muss man sich eine stationäre Behandlung in der Alterspsychiatrie vorstellen?

Während zwei bis drei Wochen machen wir umfassende Abklärungen, behandeln die Symptomatik und haben das Ziel, den Patienten zu stabilisieren und auf den Austritt vorzubereiten. Oft ist eine Änderung der Betreuungssituation notwendig.  Wenn Angehörige – oft ist es der ebenfalls betagte Ehepartner – einen Demenzkranken zu Hause betreuen, erleben wir nicht selten eine massive Überforderung. Man muss sich bewusst sein: Wenn der Ehepartner demenzkrank wird, so lebt man nicht mehr mit demselben Menschen zusammen, den man sein Leben lang gekannt hat.

Menschen mit fortgeschrittener Demenz sind oft juristisch nicht mehr zurechnungsfähig. Wie gehen Sie in der Therapie damit um?

Ein demenzkranker Mensch ist in seiner Realität verloren und in seiner Selbstbestimmung oft überfordert. Er benötigt Sicherheit und muss im Alltag an die Hand genommen werden. Das reduziert Stress, der bei einer Demenzerkrankung besonders schädlich ist. Dazu braucht es einen bestätigenden Kommunikationsstil, der nicht auf Defiziten, sondern auf den Ressourcen aufbaut. Das ist ein Grundsatz, den wir auch bei den Betreuungsteams in den Alters- und Pflegeheimen schulen und sehr gute Erfahrungen damit machen.


Dr. med. Stephan Michels ist Leitender Arzt im Behandlungszentrum für Alterspsychiatrie der Psychiatrischen Dienste



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Demenz

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3 Fragen an Dr. med. Vesna Stojanovic, Chefärztin Akutgeriatrie soH am Kantonsspital Olten.

Wie begegnen Sie in der Geriatrie dem Thema Demenz?

Das durchschnittliche Alter unserer Patienten in der Geriatrie ist zwischen 87 und 88 Jahren. Mit dem Alter steigt das Risiko für eine Demenz. Zudem steigt das Risiko für komplexe, schwere Verläufe und Komplikationen der vorbestehenden chronischen Erkrankungen.

Geriatrische demente Patienten sind grundsätzlich gebrechlicher, sind empfindlicher auf Umgebungswechsel, haben häufig eine Tagnachtumkehr und mehr Medikamentennebenwirkungen als andere Patienten. Bei dementen, vor allem bei fortgeschritten dementen Patienten ist die Äusserung der Schmerzen anders und wird häufig nur durch Körpersprache und Mimik erkannt.

Demente Patienten sind ausserdem oft schlecht ernährt, verschlucken sich häufig und sind für verschiedene Keime und Infektionen empfindlicher als andere Patienten. Die Wundheilung ist durch die schlechte Ernährung verzögert. Das Sturzrisiko ist durch schlechte Mobilität und den Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft hoch. Durch die Immobilität ist ausserdem das Risiko für einen Dekubitus (offene Wunde) sehr hoch. Durch kognitive Einschränkungen und fehlende Kooperation des dementen Patienten ist die Anamnese und Kommunikation erschwert, was den Überwachungsbedarf erhöht.

In der Geriatrie versuchen wir unsere dementen, fragilen Patienten individuell nach den eigenen Bedürfnissen und vorbestehenden eigenen Vorstellungen medizinisch und ethisch korrekt zu behandeln. Die Angehörigen sind immer von Anfang an involviert in unsere Entscheidungen, welche nach den besten medizinischen Kenntnissen und unter Berücksichtigung der Würde und den Wünschen der Patienten durchgeführt werden. Durch die vorhandene Kontinuität in der ärztlichen und pflegerischen Betreuung und dem fast täglichen Austausch mit den Angehörigen und Hausärzten sowie Spitex versuchen wir unsere Abklärungen und Behandlungen zu optimieren und individualisieren. Unsere Patienten werden schnell mobilisiert und in Einzel- und Gruppentherapie physiotherapeutisch begleitet. Ergänzend für die Förderung der Selbstständigkeit sind begleitpflegerische sowie ergotherapeutische Massnahmen und Therapien sowie eine angepasste Ernährung, welche durch die Ernährungsberatung durchgeführt wird. Durch kontinuierliche körperliche und kognitive Aktivierung werden die Mobilität und die Kognition gefördert. Ziel ist es, den Patienten nach Spitalaustritt die Rückkehr in die gewohnte Umgebung zu ermöglichen.

Zusammengefasst: Demente Patienten haben weniger Ressourcen als andere Patienten. Die Abklärung und Behandlung sowie die Betreuung ist aufwendiger, da die Kommunikation oft erschwert ist und medizinische Massnahmen meist nur vermindert befolgt werden. Trotzdem versuchen wir unsere Patienten nach den besten medizinischen und ethischen Richtlinien zu behandeln, um ihnen eine schnellstmögliche Rückkehr in die gewohnte Umgebung mit einer adäquaten Lebensqualität zu ermöglichen.

Was sind die wichtigsten Schritte, wenn Sie Patientinnen oder Patienten nach Hause entlassen, bei denen eine fortschreitende Demenz festgestellt wurde?

Die Entlassung nach Hause wird immer sehr genau mit den Patientinnen und Patienten, den Angehörigen, dem nachbehandelnden Arzt und meistens auch mit der Spitex geplant und organisiert.

Die Angehörigen werden für ein Austrittsgespräch eingeladen, an dem alle Medikamente, die medizinischen Massnahmen sowie die weitere Entwicklung der Demenz besprochen werden. Die Angehörigen werden über die mögliche Hilfe durch die Spitex, die Pro Senectute, die Demenzberatungsstelle sowie über mögliche Tagesstätten in der Umgebung informiert. Wir empfehlen eine provisorische Anmeldung in einem Altersheim mit spezialisierter Demenzabteilung.

Im Austrittsgespräch wird häufig auch die juristische Situation bei nicht urteilsfähigen, dementen Patienten angesprochen. Bei Bedarf oder auf Wunsch der Angehörigen wird ein neutraler Beistand bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB beantragt. Bei Patienten mit fortgeschrittener Demenz werden auch die medizinischen Massnahmen bei einer erneuten Verschlechterung besprochen, wobei auch ethische Aspekte einfliessen, insbesondere bei Entscheidungen am Ende des Lebens. Die nachbehandelnden Hausärzte werden schriftlich und telefonisch über den aktuellen Zustand der Patienten und Therapien informiert, ebenso die Spitex. Wir bieten neben der hausärztlichen Betreuung auch ambulante Kontrollen und eine Nachbetreuung in unserer Memory Clinic an.

«Demente Menschen sind fragile Patientinnen und Patienten. Sie brauchen andere Behandlungskonzepte».

Wie kann sich ein Spital nach den Bedürfnissen demenzkranker Patientinnen und Patienten richten?

Wir haben leider trotz einer erhöhten Anzahl an Demenz erkrankter Menschen in der Schweiz noch nicht genügend spezifisch ausgebildete Ärzte und Pflegekräfte. Zudem sind die heutigen Spitäler nicht so gebaut, dass die schlecht mobilen dementen Patienten genug Platz, Ruhe und Intimsphäre haben. Die Abläufe im Spital sind standardisiert und nicht angepasst an die individuellen Bedürfnisse der dementen Patienten. Schlafstörungen, sowie Unruhezustände werden meistens mit Medikamenten behandelt.

Es gibt immer mehr Daten, dass die herkömmliche Behandlung nicht effektiv ist. Stattdessen versuchen wir über sogenannte Basic-Therapien wie etwa Einzelbetreuung, Aromatherapie und Musiktherapie, zeitliche und örtliche Orientierung im Zimmer, das Praktizieren von Ritualen, welche die Patienten von zu Hause her kennen Unruhezustände zu vermeiden, damit die Patienten schneller genesen.

Wir versuchen die medizinischen Therapien sowie die Abklärungen so zu planen, dass diese nicht zur Überforderung der Patienten führen. Wir optimieren die Schmerztherapie, die Mobilität und die Schlafqualität und meiden den Umzug von einem Zimmer in das andere. Zudem reduzieren wir die Medikamente auf das Nötigste, um Nebenwirkungen und Interaktionen zu vermeiden. Die Nebenwirkungen der Medikamente bei dementen Patienten werden häufig durch die erschwerte Kommunikation unterschätzt oder zu spät gesehen. Wir wünschen uns speziell geschützte Abteilungen oder Patientenzimmer, welche eine häusliche Umgebung imitieren und die Platz für mehr Aktivierungsmöglichkeiten bieten.


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VERGESSLICHKEIT

Bei einer beginnenden Demenz leidet als erstes das Kurzzeitgedächtnis, auch Frischgedächtnis genannt. Betroffene können sich nicht mehr an Abmachungen erinnern, mit wem sie am Morgen gesprochen haben oder was sie vor fünf Minuten gefragt haben.

ALLTAGSPROBLEME

Menschen mit einer Demenz wissen plötzlich nicht mehr, wie eine Fernbedienung funktioniert oder wie man die Kaffeemaschine bedient. Vertraute Tätigkeiten brauchen mehr Zeit, es passieren häufig Fehler.

PLANUNG

Tätigkeiten, die eine Planung verlangen, wie zum Beispiel kochen oder einkaufen, fallen zunehmend schwerer. Betroffene werden dadurch unsicher und trauen sich immer weniger zu.

SPRACHPROBLEME

Die Suche nach dem passenden Wort, Mühe, komplexere Sätze zu formen oder sich auszudrücken sind typische Symptome. Dadurch werden Demente oft wortkarg oder gehen einem Gespräch aus dem Weg.

ORIENTIERUNGSSCHWIERIGKEITEN

Demenzkranke wissen oft nicht mehr, welcher Wochentag heute ist. Sie finden aber plötzlich auch den Weg zu einer vertrauten Adresse nicht mehr oder verirren sich in ihrer näheren Umgebung.

PERSÖNLICHKEITSVERÄNDERUNGEN

Zu realisieren, dass man die Kontrolle über das eigene Leben verliert, macht Angst. Das führt bei vielen Demenzkranken zu übertriebenen Reaktionen. Sie werden besonders ängstlich, reizbar, misstrauisch oder sogar aggressiv.

SOZIALER RÜCKZUG

Die Angst, sich lächerlich zu machen, führt oft dazu, dass Betroffene sich zurückziehen und soziale Kontakte aufgeben. Ein Teufelskreis. Denn das Trainieren alltäglicher Fähigkeiten ist ein wichtiges Element in der Demenztherapie.


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4 Tipps gegen Demenz

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Vorbeugen gegen Demenz

Bleiben Sie im Fluss.
Ihr Körper, aber auch Ihr Gehirn brauchen regelmässiges Training.
Bewegen Sie sich in der Gesellschaft, treffen Sie Menschen, gehen Sie in einen Tanzkurs oder regelmässig spazieren. Soziale Kontakte helfen dabei, das Demenzrisiko zu reduzieren.

Tragen Sie Sorge zu Ihrem Herzen.
Übergewicht, Rauchen, Bluthochdruck oder erhöhtes Cho-lesterin belasten auch die Blutgefässe im Gehirn und können zu einer Demenz führen.

Essen Sie gesund.
Eine ausgewogene Ernährung wirkt sich positiv auf den Organismus aus. Gut sind Früchte, Gemüse, Vollkornprodukte, Fisch, Nüsse oder pflanzliche Öle mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren.

Trainieren Sie das Gedächtnis.
Das menschliche Gehirn hat enorme Speicherkapazitäten und Fähigkeiten, die verloren gehen, wenn man sie nicht mehr braucht. Musik machen, Gedichte auswendig lernen, eine Fremdsprache lernen oder gezielte Übungen helfen, das Gehirn fit zu halten.


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Au weh!

Schmerzen sind zwar unangenehm, aber für den Erhalt des Lebens sehr praktisch. Denn sie teilen dem Körper mit, dass es ein Problem gibt. Die Stärke der Schmerzen helfen dem Körper zudem einzuschätzen, wie ernst das Problem ist.

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Jede Minute zählt

Zeit kostet Hirn. Je rascher bei einem Schlaganfall eine Behandlung erfolgt, desto höher ist die Chance, möglichst viel Hirngewebe und Hirnfunktion retten zu können. Mehr über die Behandlungsschritte erfahren Sie im Beitrag mit Dr. med. Michael Schärer.


Unterbruch im Nervensystem

Multiple Sklerose

Unterbruch im Nervensysstem

Sie wird auch als Krankheit mit den tausend Gesichtern bezeichnet, weil sie sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen kann. Multiple Sklerose lässt sich nicht heilen. Aber häufig kann man dank Fortschritten bei den Medikamenten die Krankheit günstig beeinflussen.

Dr. med. Robert Bühler seufzt, als er gefragt wird, wann Patientinnen und Patienten sich wegen Multipler Sklerose, abgekürzt MS, in Behandlung begeben: «Leider oft zu spät. Wie eigentlich bei vielen Krankheiten warten Patienten bei leichten Symptomen meist zu lange. Sie gehen erst dann zum Arzt, wenn sie Sehstörungen, Lähmungserscheinungen oder Blasenstörungen haben.» Bei MS sei es sehr wichtig, möglichst früh mit einer individuell angepassten Therapie zu beginnen, so der Leiter Neurologie der Solothurner Spitäler weiter. «Ich habe immer wieder Patientinnen und Patienten, deren Wissen über die Krankheit 30 Jahre alt ist. Tatsache ist aber, dass es gerade in der Medikation enorme Fortschritte gegeben hat.»

Hochkomplexe Krankheit

Multiple Sklerose ist eine chronische Entzündung des zentralen Nervensystems, also der Nerven, des Gehirns und des Rückenmarks. Sie ist nach der Epilepsie die zweithäufigste neurologische Erkrankung. In der Schweiz leben rund 10 000 Menschen mit MS, Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Bei den meisten Betroffenen zeigen sich die ersten Symptome im Alter von 20 bis 40 Jahren, immer mehr auch im Kindesalter. Die genaue Ursache von MS ist nach wie vor unbekannt, man vermutet ein Zusammenspiel von genetischer Veranlagung, Umweltfaktoren oder übertriebener Hygiene, wenn das Immunsystem zu wenig gefordert wird und nach anderen Aufgaben sucht. Die Symptome sind äusserst vielfältig und treten einzeln oder in Kombination auf:

  • Muskellähmungen
  • Sehstörungen
  • Gefühlsstörungen der Haut
  • Nervenschmerzen
  • Gleichgewichtsstörungen

Oft verläuft die Multiple Sklerose in Schüben und führt bei zwei Dritteln der Betroffenen erst nach längerer Zeit zu einer zunehmenden Einschränkung. Deshalb ist es enorm wichtig, so früh wie möglich mit einer Behandlung zu beginnen. Das Ziel der Behandlung ist, die Entzündungen der Nerven zu verringern oder die Symptome zu behandeln. Im Zentrum stehen die:

  • Schubtherapie

    MS verläuft meist in Schüben. Entzündungshemmende Medikamente helfen während eines Schubs, das Immunsystem günstig zu beeinflussen.

  • Basistherapie

    Diese muss so früh wie möglich erfolgen. Auch hier helfen Medikamente, weitere Schübe zu verhindern oder zumindest abzuschwächen.

  • Begleitmassnahmen

    Hierbei werden die Symptome, also die Auswirkungen der Krankheit, behandelt, sei es durch Medikamente oder begleitende Massnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie.


Was ist Multiple Sklerose?

1
Damit das Gehirn Signale an die Muskeln senden kann, wandern Nervenimpulse vom Gehirn den Nervenfasern entlang. Die Nervenfasern sind durch eine Schutzschicht umgeben, der Myelinhülle oder auch Markscheide. Ein Impuls vom Gehirn springt bei intakten Nervenfasern von Markscheide zu Markscheide und ist dadurch schneller, als wenn er durch die Nerven-faser selbst geleitet wird.

2
Bei Multipler Sklerose wird aber diese Markscheide irrtümlicherweise vom eigenen Immun-
system angegriffen und beschädigt (Auto-immunerkrankung). Das verlangsamt die Übertragung.

3
Kommen bei einer Multiplen Sklerose zusätzlich abbauende Vorgänge hinzu, so wird auch die Nervenfaser beschädigt und die Signalleitung zwischen Nerven- und Körperzellen (wie etwa den Muskelzellen) ist nicht mehr möglich. Deshalb kann Multiple Sklerose Störungen der Körperbewegungen oder der Körperempfindungen zur Folge haben.


Zuhören, Verstehen, Reden

«So unterschiedlich die Auswirkungen von MS sind, so unterschiedlich finden Betroffene einen Umgang damit», so der Neurologe Robert Bühler. «Für uns Ärzte ist es nicht immer ganz einfach, die Wünsche der Patienten zu akzeptieren.» Möchte jemand zum Beispiel alternativmedizinische Therapien, so mache er als behandelnder Arzt mit und begleite den Patienten. «Ausreden kann ich solche Wünsche nicht. Begleite ich den Patienten aber, so kann ich ihn weiterhin engmaschig überwachen und lasse ihn nicht alleine mit der Krankheit.» Zuhören, Verstehen, Reden seien ganz wichtige Elemente in der MS-Therapie.

Es gibt tatsächlich wenige Patienten, die ohne Medikamente auskommen und mit wenig Einschränkungen alt werden. Das seien aber weniger als drei Prozent, so Robert Bühler. «Die allermeisten MS-Patientinnen und -Patienten müssen irgendwann mit Einschränkungen in der Bewegung, in der Leistungsfähigkeit oder dem Sprechen rechnen. Die einen erst nach Jahrzehnten, andere bereits innerhalb weniger Jahre nach der Erstdiagnose.» MS ist eine Krankheit mit tausend Gesichtern – aber auch tausend unterschiedlichen Auswirkungen.


Umgang mit Multipler Sklerose

Sklerose

Suchen Sie eine innere Ausgeglichenheit und leben Sie so normal wie möglich. Stress und extreme Tätigkeiten oder Erlebnisse können Schübe auslösen.

Sklerose

Ernähren Sie sich gesund. Empfohlen wird die mediterrane Küche.

Sklerose

Treiben Sie Sport. Moderat, aber regelmässig. Lieber leichtes Jogging an der Aare oder Birs als ein Marathonlauf.

Sklerose

Mehr Dreck. Unser Immunsystem braucht Beschäftigung, sonst funktioniert es nicht mehr richtig. Übertriebene Hygiene schadet.

Sklerose

Achten Sie vor allem auch im Winter darauf, dass Sie genügend an der Sonne sind. Das fördert die Vitamin-D-Produktion.

Sklerose

Rauchen Sie nicht.


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